Perfekte Improvisation beim Jubiläumsspektakel :

In Liebe - Kopfschütteln auf der Fusion 2016

Sie hatte alles, die 20. Fusion: lauschige Sommerabende und T-Shirt-Wetter bis nach Mitternacht, aber auch Temperaturen und Regen, bei denen die Fellmützen und Gummistiefel heraus geholt wurden. Aber vor allem hatte sie eines: unendlich viele Eindrücke, besonders bei Nacht.

Es gibt sie tatsächlich, die ganz, ganz ruhige Fusion: Beim Kinderspace herrscht eine wohlige, entspannte Atmosphäre mit vielen Betätigungen für die Lütten.
Elke Enders Es gibt sie tatsächlich, die ganz, ganz ruhige Fusion: Beim Kinderspace herrscht eine wohlige, entspannte Atmosphäre mit vielen Betätigungen für die Lütten.

Man muss schon sehr genau hingucken. Aber dann ist das Ergebnis verblüffend. „Love“ erscheint da in großen Buchstaben. Der scheinbar unspektakuläre, riesige Leuchtstab, der in der Dunkelheit über dem Hangar nahe der Landebahn grell vor dem dunklen Horizont glimmt, birgt anscheinend eine geheime Botschaft. Wer sie entziffern will, muss mit dem Kopf hin- und herschwenken. Dann verzerren sich die Lichtpunkte zu Buchstaben. Von oben nach unten gelesen, lässt sich das Wort „Love“ (Liebe) erkennen.

„Wie irre ist das denn?“, kriegt ein junger Mann, der am Piroggenstand nach polnischen Teigtaschen ansteht, denn auch das Grübeln. Gerade wurde er von dem Pärchen vor ihm in der Reihe auf dieses Leuchtphänomen aufmerksam gemacht. Und die Zeit des Anstehens in der um 2 Uhr morgens am Sonntag noch immer recht ansehnlichen Schlange lässt sich prima überbrücken.

Mehr als 2000 Künstler auf dem Festival aktiv

So ist das gruppenweise Kopfschütteln, das sich kurz darauf bei Passanten im Gedränge beobachten lässt, kein Indiz dafür, dass mit den Leuten etwas nicht stimmt, sie irgendeine verbotene Substanz genommen hätten. Nein, sie haben schlichtweg den Tipp bekommen, dass sie den Kopf drehen müssen, um in dem Stab mehr zu sehen.

„Mehr sehen“ ist auch das Stichwort an diesem Feierwochenende auf dem weitläufigen Kulturkosmosgelände zur 20. Fusion in Lärz, das nach offiziellen Schätzungen etwa 60 000 Besucher beheimatete. So vollkommen, so schrill, so präzise, so durchgestylt und bunt, so leuchtend und so vielfältig - so hat sich das Musik- und Kulturfestival wohl noch nie gezeigt. Die Veranstalter und das Netzwerk aus über 8000 Helfern und Helfershelfern, aus mehr als 2000 Künstlern und Mitwirkenden haben es diesmal zur Perfektion getrieben – nun gut: Perfekte Improvisation, trifft das Erlebbare, das weitgehend ohne Werbung und handelsübliche vorgefertigte Muster auskommt, wohl noch besser.

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