Weißt du noch?:

Jubiläum: Grabowhöfer erzählen ihre Dorfgeschichten

Bevor in Grabowhöfe mit vollen Gläsern angestoßen wird, erinnern sich die Einwohner an die guten alten Zeiten. Dafür haben sich ein paar Leute ganz staubig gemacht.

Juri Gagarin staunt. Der Mann, der als erster Mensch den Kosmos stürmte, musste sich lange Zeit im Obergeschoss des Grabowhöfer Gemeindehauses in Geduld üben. Nichts passierte. Die Büste des Kosmonauten staubte ein, Langeweile machte sich breit. Im Geschichtsraum, dem „Gedächtnis der Gemeinde“, glich ein Tag dem anderen.

Seit ein paar Wochen ist alles anders. Immer wieder stürmten Leute hinein, kramen in Regalen, öffnen alte Kisten und blättern in angegilbten Fotoalben. Der Grund für die Hektik: In Grabowhöfe und dem benachbarten Ortsteil Baumgarten soll ein Jubiläum gefeiert werden.

Gemeinsam auf die Festidee gekommen

Beide Dörfer werden am Wochenende 675 Jahre alt. „Wir haben lange darüber nachgedacht, wie der Geburtstag gebührend begangen werden kann“, sagt Bürgermeister Enrico Malow (CDU). Gemeinsam sei man auf die Idee gekommen, eine große „Weißt-du-noch“-Schaffe zu organisieren. Hunderte alte Fotos seien gesammelt, gesichtet und geordnet worden. Nicht nur die aus dem Gemeindearchiv. „Dorfbewohner haben in ihren privaten Alben geblättert und uns ebenfalls viele Bilder zur Verfügung gestellt“, erzählt Astrid Meyne vom Festkomitees.

Rund 500 Fotos, welche die vergangenen Jahrzehnte der Dorfgeschichte am besten repräsentieren, sind ausgewählt und gescannt worden. „Am Freitagabend sind die dann im Festzelt zu sehen“, sagt Malow. Zum Moderator der Veranstaltung hat das Festkomitee Christian Franz erkoren. Der Mann sitzt seit 1979 in der Gemeindevertretung und war 13 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde. „Der weiß Bescheid, kennt alles und jeden“, sagt Komitee-Mitglied Jörg Schäfer.

Ganz klar, dass selbst die Vorbereiter der „Weiß-du-noch?“-Schaffe angesichts vieler Bilder aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen. Astrid Meyne zum Beispiel zeigte sich überrascht, als sie auf einem der Bilder eine Bahnschranke in Grabowhöfe entdeckte. „Ich kenne nur die Brücke über die Gleise. Aber ich bin eben Jahrgang 1964 und die Brücke ist schon ein Jahr zuvor erbaut worden.“ Bürgermeister Malow erinnert sich noch gut an den Schrecken, der ihm in die Glieder fuhr, als er die Bilder von jenem Zugunglück 1982 bei Grabowhöfe sah. „Immerhin, 59 Verletzte mussten versorgt werden. Das ganze Dorf war auf den Beinen.“

Wehmut beim Blick auf die Fotos

Für Jörg Schäfer war „alles interessant“, schließlich lebt der erst seit dem Jahr 2000 in Grabowhöfe. Und Michael Krisch, der die Interessen der Baumgartner vertritt, mag am liebsten alles, was an sein kleines Dorf erinnert. Wehmütig haben sich alle die Bilder vom sogenannten Weißen Haus betrachtet, früher Sitz des Gemeindebüros und der Arztpraxis. Inzwischen verfällt das Gebäude.

„Die 150 Karten für die Veranstaltung sind uns aus dem Händen gerissen worden“, freut sich das Gemeindeoberhaupt. Sicherheitshalber hat man 50 Karten in der Hinterhand. Im Preis von zehn Euro sind Happen vom Büfett und ein Getränk einbegriffen. Von vielen Reden und den Zwischenrufen, wenn sich jemand auf einem Foto erkennt, bekäme man schließlich einen trockenen Hals, heißt es in Grabowhöfe.

Von alldem ist Juri Gagarin allerdings ausgeschlossen, die Büste des Namensgebers der alten Schule in Grabowhöfe braucht im Festzelt niemand. Aber, wer weiß, vielleicht schlägt auch noch mal die Stunde des Kosmonauten in der Gemeinde.

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