Ein toller Typ:

Jungbulle Brutus wird erwachsen

Was macht eigentlich Brutus, der kleine Bulle, der tot war und doch weiter lebte? Aufgezogen in der warmen Küche von Buchholzern, steht das Zebu nun vor neuen Aufgaben – keiner leichten übrigens.

Einen Brutus stellt man sich eigentlich viel  größer vor. Doch der kleine Zebu-Bulle (rechts) ist noch immer etwas kleiner als seine Zebu-„Dame“ Herta (links), die Marcus Thober angeschafft hat, damit Brutus ordentlich Nachkommen zeugen kann.
Petra Konermann Einen Brutus stellt man sich eigentlich viel  größer vor. Doch der kleine Zebu-Bulle (rechts) ist noch immer etwas kleiner als seine Zebu-„Dame“ Herta (links), die Marcus Thober angeschafft hat, damit Brutus ordentlich Nachkommen zeugen kann.

Brutus hat die Ruhe weg. Während seine Mutter Maggi ganz aufgeregt ist über den ungewohnten Besuch im Stall und in ihrer Box unruhig wird, sieht ihr Sohn, der kleine Zebu-Bulle, keinerlei Grund, sich überhaupt von seinem warmen Strohlager zu erheben. Menschen ist der Bulle gewohnt – schließlich kennt er sogar die Küche seiner Buchholzer Besitzer in- und auswendig.

Nach seiner Geburt im Februar war Brutus eigentlich schon tot – „amtlich“ bestätigt durch Laborwerte einer Blut-Untersuchung.  Regelrecht aufgepäppelt wurde er in der Küche von Kathrin und Marcus Thober – mit der Milchflasche und ganz viel Liebe. Zehn Monate ist der zähe Brutus jetzt alt, im Februar 2015 feiert er seinen ersten Geburtstag. „Er hat sich gut gemacht. Nur wachsen muss er noch ein bisschen lernen“, meint Marcus Thober.  

Das Kälbchen kam in die Küche

Als Steißgeburt, mit dem Hinterteil voran wurde Brutus geboren. „Das hat er überlebt, eigentlich ein Wunder. Doch das Kalb trank nicht, es stand nicht auf“, blickt Kathrin Thober zurück. Das Kälbchen wurde immer schwächer. Ein Anblick, der ihr das Herz zerriss. Kurzerhand wickelte sie Brutus an seinem zweiten Lebenstag in Decken und nahm das neun Kilogramm leichte Tierkind mit in die warme Küche.  „Das Fieberthermometer zeigte keine Temperatur an, es misst ja erst ab 32 Grad. Aber die hatte Brutus schon nicht mehr“, erzählt die Buchholzerin.

Der Tierarzt aus dem Nachbarort tat, was er konnte: Er verpasste Brutus eine Infusion, gab ihm Medikamente, nahm ihm Blut ab, um es untersuchen zu lassen. Die nackten Laborwerte sagten: Das Tier ist längst tot. Von diesem Ergebnis aber wusste Kathrin Thober noch nichts. Sie wärmte Brutus weiter, hielt das Kalb stundenlang auf dem Schoß, rubbelte sein Fell. „Ich habe getan, was eine Mutter mit ihrem Kind macht, es berühren, es warm halten. Wir haben mit Brutus geredet, ihn spüren lassen, dass er nicht allein ist.“ Dann endlich setzte beim Kalb der Saugreflex ein – ein Meilenstein, von dem aus es immer weiter bergauf mit dem Kälbchen ging.

Herta ist seine Liebste

Mittlerweile frisst Brutus natürlich längst normales „Kuhfutter“, verlebte den Sommer bei seinen Zebu-Eltern auf „Michels Eselhof“ in Buchholz und kann sich jetzt im Winter im Stall wärmen – nur mit dem Wachsen hat er es nicht so. Dabei soll aus ihm bald ein echter Bulle werden.

Eine Frau an seiner Seite gibt es schließlich schon. Herta heißt die „Dame seines Herzen“, ebenfalls ein Flaschenkind – eigens von Marcus Thober angeschafft, damit Brutus den Grundstein für Zebu-Nachkommen in Buchholz legen kann.

„Brutus ist handzahm. Wir können mit ihm an der Leine spazieren gehen wie mit einem Hund. Er hat großes Vertrauen in Menschen und zeigt keinerlei Scheu. Brutus ist ein toller Typ, sehr verschmust“, erzählt Marcus Thober.

Er weiß: Brutus ist genau der richtige Kandidat für eine besondere Aufgabe. Der Zebu-Bulle soll, wenn er mal ausgewachsen ist, vor eine Kutsche gespannt werden. „Wir üben schon mit ihm, so dass er sich an das Halfter gewöhnt.“ Inzwischen hat Brutus übrigens einen Bruder bekommen. „Bei seiner Geburt ging aber alles glatt, ein Glück“, meint Marcus Thober.

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