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Kameraden blicken über Tellerrand

Dieser Schritt ist womöglich historisch zu nennen: Über Gemeinde- und sogar Kreisgrenzen hinweg sind die Hohen Wangeliner Feuerwehrmänner unterwegs. Ab sofort gilt eine neue Vereinbarung, die Hab und Gut, aber auch Leben retten könnte.

Nur die Feuerwehr konnte bei Massow im Alt-Müritzkreis helfen: Ein brennender Grasmäher verursachte einen Schaden von rund 450 000 Euro.
David Ebener/dpa Nur die Feuerwehr konnte bei Massow im Alt-Müritzkreis helfen: Ein brennender Grasmäher verursachte einen Schaden von rund 450 000 Euro.

Von Hohen Wangelin ist es nur ein Katzensprung bis nach Linstow, gerade mal drei Kilometer. Doch in Sachen Feuerwehr-Einsätze lagen bislang Welten zwischen den beiden Orten. Einfach so mal zum Retten über die Grenze zu den eigentlich nahen Nachbarn in den Landkreis Rostock hinweg –das gab es nicht. Bis jetzt. Seit Dienstag ist eine Vereinbarung zwischen beiden Gemeinden und Wehren in Kraft getreten, die es so noch nicht gegeben hat und die auch eine Folge der veränderten Lebenswelten auf den Dörfern ist: Die Wehren von Dobbin-Linstow und Hohen Wangelin rücken bei Bedarf gemeinsam aus. „Für unsere Wehr ist das absolutes Neuland“, bestätigen sowohl Hohen Wangelins Bürgermeister Torsten Nörenberg (parteilos) wie auch Wehrführer Norbert Wischniewski.

Die Notwendigkeit dieser jungen Zusammenarbeit liegt auf der Hand und ist kein Hohen-Wangelin-Phänomen: Kaum eine Wehr in den Dörfern schafft es noch, die so genannte Tageseinsatzbereitschaft abzusichern. Um in einem Brandfall alle notwendigen Geräte und Fahrzeuge mit dafür ausgebildeten Rettungskräften besetzen zu können, ist eine bestimmte Anzahl von Feuerwehrmännern und -frauen notwendig. Doch die viele Kameraden, die aktiv mithelfen könnten, stehen tagsüber oft nicht parat: Die meisten haben ihre Arbeitsstellen nicht am Wohnort. Ein Umstand, der in einem Notfall fatale Folgen haben kann. Einer der ersten, der darauf öffentlich hingewiesen hat, war zum Beispiel der Malchower Amtswehrführer Jens Werner. Die Folge: Im Amt Malchow wurden die Ausrückepläne inzwischen geändert. Brennt es in einem Ort, werden Kameraden aus mehreren Wehren alarmiert. Kameraden aus verschiedenen Wehren werden seit einiger Zeit gemeinsam ausgebildet, damit im Ernstfall das Zusammenspiel vor Ort klappt. „Es hat sich vieles verändert in den letzten Monaten“, betont Amtswehrführer Werner.

Gerhard Schmoock (CDU), Gemeindevertreter aus Dobbin-Linstow, ist froh über die neue Zusammenarbeit mit den Hohen Wangelinern über die Kreisgrenze hinweg.

„Wir haben in Linstow das große Ferienressort. Da ist unser Interesse natürlich groß, dass in einem Ernstfall auch schnell Hilfe kommt“, macht der Linstower deutlich. Zwei große Brände habe es in der Gemeinde in den vergangenen 15 Jahren gegeben, dass nun auch Hilfe aus dem nahen Hohen Wangelin kommen kann, „sei eine Erleichterung“, so Gerhard Schmoock.