Artisten in der Manege:

Kleine Zirkus-Prinzessin schlüpft in ihre erste Rolle

Sie ist gerade mal sieben Monate jung, kann sitzen und schon ein bisschen am Sessel stehen: Elena, die kleine Zirkus-Artistin in spe. Auch in der Manege ist sie schon der Publikumsliebling.

Der Familien-Zirkus Alamos, hier mit den noch jungen, aber fertig dressierten Araber-Pferden; von rechts: Christine Zinnecker, Tochter Vanessa mit Elena, Tierpfleger Felix, Tochter Annalena und Tierpfleger Willi. Übrigens, auch über den Winter kann die Zirkus-Crew gebucht werden bei Familienfesten, Fasching oder anderen Anlässen.
Elke Enders Der Familien-Zirkus Alamos, hier mit den noch jungen, aber fertig dressierten Araber-Pferden; von rechts: Christine Zinnecker, Tochter Vanessa mit Elena, Tierpfleger Felix, Tochter Annalena und Tierpfleger Willi. Übrigens, auch über den Winter kann die Zirkus-Crew gebucht werden bei Familienfesten, Fasching oder anderen Anlässen.

Stefan Zinnecker glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Als er zu nächtlicher Stunde einen weiteren Transport von Rheinsberg nach Rechlin brachte, um dort das neue Zirkuslager aufzuschlagen, sah er, dass die gehängten Plakate am Boden lagen. Zerfetzt, zerrissen, einfach so in den Dreck gezerrt. Wer macht denn so etwas?

Für den Zirkus ist es eine Grundvoraussetzung, dass das Publikum rechtzeitig erfährt, dass Clowns und Akrobaten in den Ort kommen. Wird die Werbung mutwillig zerstört, wie dieser Tage in Rechlin geschehen, besteht nicht nur Gefahr, dass das Zirkuszelt leer bleibt, womit dann auch die Einnahmen zum Weiterreisen fehlen. Es entstehen auch Kosten. Jedes der aufgestellten Plakate hat seinen Preis.

Den Artisten wird ein teuerer Streich gespielt

An die 25 Schilder büßte der Zirkus durch vermutlich einen „Dumme-Jungen-Streich“ ein. „Das sind zwischen 400 und 500 Euro Schaden, das muss man erst mal einspielen“, ist Christine Zinnecker enttäuscht. Dabei fühlt sich die Zirkus-Familie mit der Gegend verbunden, stammt Christine Zinnecker doch aus Röbel, wo sie einst dem Messerwerfer und Clown Stefan erlag – im übertragenen Sinne natürlich. Ohne lange zu überlegen, ging die Röbelerin mit auf die Zirkus-Reise, entschied sich für das Leben im Wohnwagen aus Liebe. Die beiden Kinder Vanessa und Annalena, inzwischen 19 und 16 Jahre alt, sind nun selbst junge Damen. Vanessa jedenfalls hat im März die Familie mit Nachwuchs überrascht.

Erst im Spätsommer konnte sie mit auf die Deutschland-Tournee gehen. So lange blieb sie mit dem Baby zu Hause in Wredenhagen, wo sich das Winterlager des Zirkus befindet. Dabei hat die Hochseil-Artistin hart trainiert, um erst mal wieder fit zu werden. Nun ist sie auch in Rechlin wieder in der Manege zu erleben, und mit ihr, was das Publikum besonders gern mag, sogar schon der kleine, süße Nachwuchs: Baby Elena – natürlich im eigenen Kostüm und mit eigener, kleiner Rolle: Wenn Großvater Stefan seine neue Araber-Revue präsentiert und die temperamentvollen, aber mit Liebe und ohne Gewalt dressierten Pferde in die Manege holt, dann ist es die kleine Elena, die zunächst die Blicke auf sich zieht.  „Jedenfalls, wenn sie nicht schläft“, korrigiert Oma Christine, die eigentlich ganz und gar nicht als Oma durchgeht, jedenfalls nicht optisch.

Mehr wird zum „großen“ Auftritt der Kleinen aber nicht verraten. Nur soviel:  „Elena ist so ein Sonnenschein, wir sind so froh, dass sie so lieb ist und uns zuschaut, wenn wir Aufführung haben, sonst würden wir alle unruhig werden, wenn sie weint“, erzählt Christine Zinnecker.

So lief in diesem Zirkusjahr trotz der neuen Umstände vieles nach Plan, aber nicht alles: Denn, was nicht stimmte, waren die Zuschauerzahlen. Auf dem Weg, wie gewohnt in Richtung polnische Grenze, mit Stationen in Rheinsberg, Schwedt oder Penkun, war zu merken, dass die Leute mit sich selbst zu tun hatten, teilweise auch unter den Folgen des Hochwassers litten und das Geld zusammenhielten. „Es war unsere schlechteste Saison“, sagt Christine Zinnecker ehrlich, die sich nun aber auf die Heimat-Gastspiele in Rechlin und am nächsten Wochenende in Röbel freut, auch wenn die kaputten Plakate in Rechlin ein schlechtes Omen sind.  Das Publikum jedenfalls darf sich freuen auf eine bunte Zirkuswelt, mit allem, was den Zirkus ausmacht, Feuershow, Akrobatik, Tierdressuren... 

Und manchmal, wenn auch Clown Stefan traurig und nachdenklich wird, weil sich die Leute vielerorts rar machen, blickt er auf die kleine Zirkus-Prinzessin Elena. Sie ist es, die soviel Freude bringt und Hoffnungen weckt, dass Zirkus eine Zukunft hat – gerade in einer Welt, die immer mehr von Elektronik, Handys und Bildschirmen fremdgesteuert wird. Darum wollen die Zirkusleute die Gäste auch verzaubern, handgemacht und echt!

Die Vorstellungen am Festplatz in Rechlin an der Kleinen Müritz: Freitag, 25. Oktober, 17 Uhr, Sonnabend, 16 Uhr, Sonntag, 14 Uhr.

Die Vorstellungen in Röbel: Donnerstag, 31. Oktober, bis Sonnabend, 2. November, täglich 16 Uhr,  sowie am Sonntag, 3. November, 14 Uhr.

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