Wer hat Malchows Autofahrer da gelinkt?:

Knöllchen wegen schlechten Scherzes

In Malchow haben Autofahrer Strafzettel kassiert. Nur trifft sie gar keine Schuld. Zahlen müssen sie trotzdem.

Vorher, nachher: Links ist der Freiparken-Aufkleber noch dran, rechts ist er ab und das Knöllchen da.
Screenshot: Facebook Vorher, nachher: Links ist der Freiparken-Aufkleber noch dran, rechts ist er ab und das Knöllchen da.

Montagvormittag und schon dicke Luft im Malchower Rathaus. Fünf Beschwerden gingen dort ein, wegen unverdienter Strafzettel. Die Knöllchen hatten die Autofahrer am Wochenende kassiert, weil sie keine Parkgebühr gelöhnt hatten. Dabei war doch auf dem Parkautomaten der gelbe Aufkleber nicht zu übersehen, monierten sie. Auf dem stand, dass das Parken von Samstag 12 Uhr bis Montag 8 Uhr gebührenfrei sei. Warum also das Knöllchen?

Malchows Bürgermeister Joachim Stein (Grüne) hat da eine einfache Antwort: „Da hat einer einen ganz schlechten Scherz gemacht.“ Wahrscheinlich jemand, den es anstinkt, dass die Stadt auch sonntags Gebühren verlangt, vermutet er. Nur im Winter sei das Parken am Wochenende frei, jetzt in der Saison nicht. Die Gebührenordnung – von der Stadtvertretung beschlossen – sei nicht außer Kraft gesetzt. Das würde für die Stadt ja auch einen Einnahmeverlust bedeuten.

Strafzettel muss bezahlt werden

Im Internet sind Fotos von dem Aufkleber zu finden. Als Mitarbeiter der Verwaltung den betreffenden Automaten auf der Insel kontrollierten, sei der aber schon ab gewesen. Die Politesse, die am Wochenende im Dienst war, hätte ihn auch nicht bemerkt, so der Bürgermeister. Jetzt würden alle aufmerksamer sein.

Was wird aber nun aus den Strafzetteln? Steins erste Reaktion: „Die werden wir wohl zurück nehmen.“ Allerdings fiel nach einer Diskussion im Rathaus dann die Entscheidung, dass der Strafzettel gezahlt werde müsse. „Wenn wir einmal nachgeben, müssen wir davon ausgehen, dass wir das ständig machen müssten“, so die Begründung. Die Betroffenen hätten laut Stein Verständnis gezeigt. Obwohl der Strafzettel immerhin über zehn Euro ausgestellt war.

In der Stadtverwaltung hofft man, dass es Hinweise gibt, wer den Aufkleber angebracht haben könnte. Der Bürgermeister spannt den Bogen indes weiter. Was ihn in Malchow schon geraume Zeit ärgere, ist, dass „eine Schwelle überschritten wird, die man nicht überschreiten darf“. Selbst sei er betroffen gewesen, als er mit „Tölpel von der Insel“ beleidigt wurde. Feuerwehrleute seien schon beschimpft worden, weil sie im Einsatz eine Straße sperrten. „Damit geht ein Stück hoheitliche Staatsgewalt den Bach runter. Ich finde das sehr bedenklich.“