Schuluntersuchungen:

Kommt der Arzt zuselten in die Schulen?

Stark rückläufige Zahlen bei den vorgeschriebenen Reihenuntersuchungen für Schüler diagnostiziert die Linke für den Großkreis. Doch das Gesundheitsamt sieht das anders.

Wenn die Schüler der Demminer Heinrich-Zille-Grundschule in die vierte Klasse kommen, dann geht es auch um ihre Gesundheit. Sie müssen im Lauf des Jahres zur schulärztlichen Untersuchung, und in aller Regel nehmen sie daran teil. „Da gibt es keine Probleme“, sagt Schulleiterin Christiane Sack. Das Gesundheitsamt veranlasse die Untersuchung, die Schule stimme die Termine ab und „die Eltern nutzen das dann.“

Alles also so, wie es sein soll. Entsprechend einer Verordnung des Landes aus dem Jahr 1996 müssen nach den üblichen Schuleingangsuntersuchungen die Kinder in der vierten und achten Klasse noch einmal zur Reihenuntersuchung. Dabei werden Seh- und Hörvermögen getestet, Lunge und Wirbelsäule untersucht, Größe, Gewicht und Blutdruck gemessen sowie der Impfstatus kontrolliert. Doch so glatt, wie es die Leiterin der Heinrich-Zille-Grundschule für ihr Haus darstellt, läuft es im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte anscheinend nicht immer.

Ganz im Gegenteil, so scheint es. Eine Kleine Anfrage der beiden Linke-Landtagsabgeordneten Simone Oldenburg und Torsten Koplin an die Landesregierung zu den Reihenuntersuchungen im Schuljahr 2012/13 brachte für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte erschreckende Zahlen ans Licht – wenn auch für weiter zurückliegende Jahre. Demnach wurden im Schuljahr 2009/10 auf dem Gebiet des heutigen Großkreises 1415 Viertklässler untersucht, im folgenden Schuljahr 1064 und im Schuljahr 2011/12 nur noch 542. Letzteres entsprach etwa einem Viertel aller untersuchungspflichtigen Kinder. Noch schlechter sahen die Zahlen bei den Achtklässlern aus. Von ihnen nahmen im Schuljahr 2011/12 nur noch 103 oder 4,8 Prozent an den Untersuchungen teil.

Gleichzeitig erbrachten die Untersuchungen nach Auskunft der beiden Landtagsabgeordneten eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Schülern, die an Übergewicht und Adipositas litten. Angesichts dessen hat die Linke nun Alarm geschlagen. Der Landrat und die Gesundheitsbehörde, fordert ihre Kreistagsfraktion, müssten mehr Augenmerk auf die Kinder- und Jugendgesundheit legen. Notwendig sei ein gezieltes Präventionskonzept.

Aber so unschön die von der Landesregierung vorgelegte Statistik für den Seenplatte-Kreis ausfällt, krankt sie doch auch selbst. Denn sie beantwortet nicht die eigentliche Frage der beiden Abgeordneten nach dem vergangenen Schuljahr. Und da sieht es laut Gesundheitsamt schon wieder anders aus. „Wir brauchen uns auf keinen Fall zu verstecken“, sagt Dr. Simone Herrlich, die als Sachgebietsleiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienst für die Schuluntersuchungen zuständig ist. Zwar seien wegen personeller Engpässe die Untersuchungszahlen zuvor zeitweilig gesunken, doch im vergangenen Schuljahr stiegen sie wieder an. 2012/13 wurden nach ihrer Auskunft 1989 Viert- und 1738 Achtklässler untersucht. Das entspreche einem Anteil von 80 bis 90 Prozent. „Natürlich gibt es immer einige Schüler, die man nicht erreicht“, weiß sie. Etwa dann, wenn Kinder am Tag der Untersuchung wegen Krankheit zu Hause bleiben müssen. „Aber das Gros sollte angeschaut sein.“