Das Bratwurst-Problem:

Krankheit und Krieg machen den Bauern zu schaffen

Russland-Krise, Schweinepest. Die Landwirte in der Müritz-Region haben es derzeit schwer. Vor allem Bratwurst und Kotelett sind schwer an den Mann zu bringen. Die Ställe sind voll – doch die Preise decken nicht mal mehr die Kosten.

Schweinehaltung gibt es auch in der Müritzregion. Doch die Landwirte haben Probleme mit der Vermarktung des Fleisches. Schuld ist nicht nur der Exportstopp.
Wolf-Dietrich Weissbach Schweinehaltung gibt es auch in der Müritzregion. Doch die Landwirte haben Probleme mit der Vermarktung des Fleisches. Schuld ist nicht nur der Exportstopp.

Schwein gehabt, wer nicht in Schweine macht. An der Müritz klagen die Landwirte über Preiseinbrüche. „Fast um 40 Cent pro Kilogramm“, berichtet Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Müritz-Bauernverbandes. „Das ist für unsere Mitglieder dramatisch“, sagt er. 

Nur noch 1,48 Euro beträgt der reguläre Preis pro Kilogramm, hinzu kommen mitunter noch niedrigere Hauspreise, die manche Schlachthöfe zahlen. Und diese Entwicklung vollzog sich binnen weniger Wochen. „So schnell kann keiner die Produktion umstellen“, erläutert Schmidt. Schuld sei dabei die Russland-Krise mit Einfuhrbeschränkungen sowie auch die Afrikanische Schweinepest, mit der das Dilemma eigentlich anfing.

Der Export-Stopp für Produkte aus der Schweineverarbeitung treffe die Wirtschaft schon an einer empfindlichen Stelle. Und 1000 Tonnen von Moskau nach Peking umzuordern, ginge eben nicht auf die Schnelle. „Die Schweine stehen aber im Stall und müssen weg.“ Doch wohin? Die gefallenen Preise seien nicht mehr kostendeckend.

Absatzprobleme betreffen auch die Obstbauern

Aber auch die Obstbauern klagen massiv über Absatzprobleme. Allerdings gibt es im Müritzkreis kaum Obstproduzenten in Größenordnungen. Dennoch hat die Thematik jüngst auch auf der Landwirtschaftsmesse in Mühlengeez (MELA) bei Güstrow eine Rolle gespielt. Schon dort wurde vielfach diskutiert, wie man die Ware jetzt unterbringen könne.

Dass es ein Bundesprogramm geben soll, das die Einbußen abfedert, hält Schmidt für keinen wirklichen Ersatz. „Dann muss man wieder 1000 Anträge stellen, 1000 Formulare ausfüllen, für 1000 Euro, die man am Ende von 10 000 Euro wieder bekommt“, spielt er auf den ohnehin großen bürokratischen Aufwand an. „Das sind alles Willensbekundungen“, die in der Praxis noch nicht angekommen seien.

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