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Lampen-Rebellen geht kein Licht auf

Im Streit um die neue Beleuchtung fühlen sich die Hausbesitzer einer Straße in Malchow nach wie vor als rechtlose Bürger. Und jetzt haben sie sogar das Gefühl, gegen sie soll Stimmung in der Stadt gemacht werden.

Wolfgang Lipnau, Alfons Pientok, Herbert Worch und Hermann Doll (von links): Die Männer aus Malchow wollen den Streit mit dem Bürgermeister bis zum Ende ausfechten.
Thomas Beigang Wolfgang Lipnau, Alfons Pientok, Herbert Worch und Hermann Doll (von links): Die Männer aus Malchow wollen den Streit mit dem Bürgermeister bis zum Ende ausfechten.

So was aber auch! Hermann Doll, Hausbesitzer in der Malchower Gartenstraße, erhebt die Stimme. Und dass der Mann laut wird, liegt nicht nur an der Krach machenden Rüttelmaschine, die gerade vor seinem Küchenfenster den frischen Straßenuntergrund verdichtet. Hermann Doll ist sauer. Jeden Tag ein bisschen mehr. Denn zum einen verlangt die Stadtverwaltung noch immer von ihm, eine Straßenlampe an seiner Hausfassade installieren zu können.

Und zum anderen hat Bürgermeister Joachim Stein (Grüne) jetzt im Stadtanzeiger Malchows einen Text dazu veröffentlicht, von dem sich Doll und seine Mitstreiter an der Ehre verletzt fühlen. „Weil wir uns überrumpelt fühlen und die Wandleuchten an unseren Fassaden ablehnen, hat der Bürgermeister die Auseinandersetzung jetzt zum Kampf zwischen Gut und Böse stilisiert.“ Mit anderen Worten: „Wir sind die Ewiggestrigen“.

Vom Bürgermeister enttäuscht

Dabei wären sie nur zu gern vorher gefragt worden. „Aber nein, wir sollten klaglos akzeptieren, das andere über unser Eigentum verfügen“, schimpft Dolls Mitstreiter Alfons Pientok, der sich sogar einen Rechtsanwalt für seinen Streit mit dem Rathaus engagiert hat. In die gleiche Kerbe haut Herbert Worch, ein anderer Nachbar: „Der Bürgermeister hat jetzt alle Malchower aufgerufen, ihre Meinung zu sagen, ob hier bei uns wieder die Straßenlaternen oder neue Wandleuchten für Licht sorgen sollen. Aber - dann entscheiden schon wieder andere über uns.“

Wolfgang Libnau pflichtet ihm bei: „Der Ton, den Joachim Stein anschlägt, ist eines Bürgermeisters unwürdig.“ Bei Gesprächen im Rathaus, erzählen die Männer, sei ihnen unmissverständlich klargemacht worden, dass sie keine Rechte in dieser Angelegenheit hätten. Auch Hermann Doll weiß inzwischen: Zwar habe die Verwaltung wohl das Recht, einen solchen Plan auch gegen den Willen der Eigentümer durchzusetzen – doch nur dann, wenn es dazu keine anderen Optionen gebe. „Aber davon kann keine Rede sein. Warum können die Lampen nicht einfach dort stehen bleiben, wo sie schon immer standen?“ Wenn die Laternen wieder auf die Gehwege gesetzt werden, geraten die zu schmal, heißt es dagegen aus dem Rathaus. Außerdem seien die kleineren Lampen an den Fassaden wesentlich preiswerter. Den Klagedrohungen sieht Bürgermeister Stein gelassen entgegen.

Malchower hat seine Entscheidung getroffen

„Der Bürgermeister redet immer vom Streit, der ausgebrochen sei“, macht Hermann Doll seinem Herzen weiter Luft. „Aber den Streit haben nicht wir vom Zaun gebrochen, der ist entstanden, weil im Rathaus selbstherrlich und ohne vorher mit uns darüber zu sprechen, die Entscheidung längst gefallen ist.“

So, darüber sind sich die Männer einig, dürfe der Rathaus-Chef nicht mit seinen Wählern umgehen. „Auch, wenn der nur noch wenige Monate im Amt ist. Für uns heißt es nur: Friss, Vogel, oder stirb“, schimpft Alfons Pientok.

Hermann Doll jedenfalls hat seine Entscheidung getroffen: „Niemand greift meine Hausfassade an. Und wenn daran gebohrt wird, um eine Lampe zu installieren, verklage ich sofort alle wegen Sachbeschädigung.“