Angst vor dem Wolf?:

Landwirte fürchten neue Massaker auf den Weiden

Auch an der Müritz ist der Wolf zurück. Und stimmen die Prognosen, wird es nicht bei einem Tier bleiben. Das macht auch so manchen Tierhalter Sorgen. Sicher ist nur: Ein Elektrozaun allein kann die Herden nicht schützen.

Noch strolcht offenbar nur ein Wolf gelegentlich in der Müritzregion herum. Doch nach Expertenschätzungen könnten es in einigen Jahren schon deutlich mehr sein.
MÖLLER Noch strolcht offenbar nur ein Wolf gelegentlich in der Müritzregion herum. Doch nach Expertenschätzungen könnten es in einigen Jahren schon deutlich mehr sein.

Erst der Zubiss, dann der Imbiss. So ein Tiergatter ist für den Wolf eine reizvolle Abwechslung auf dem Speiseplan. Diese Erfahrung haben inzwischen mehrere Tierhalter machen müssen. Und auch wenn ihnen der Schaden erstattet wird: Höchste Zeit, dass sich auch die Bauern einmischen, in die heiße Debatte um die Rückkehr des Raubtieres in unsere Region. Auf einer Informationsveranstaltung des Bauernverbandes gab es jetzt viel Gesprächsbedarf.

Experten der staatlichen Ämter gehen davon aus, dass sich an der Müritz ein einzelnes Exemplar tummelt. Ein Grenzgänger, der aus Brandenburg gelegentliche Ausflüge an die Müritz übernimmt. Noch. Schenkt man aktuellen Studien Glauben, so könnte sich die Zahl der Wölfe bald deutlich erhöhen. Schätzungen gehen davon aus, dass es in Ost- und Norddeutschland rund zwei Dutzend Rudel gibt. Die Zahl der Rudel könnte in den nächsten drei Jahren auf 100 anwachsen, wie Volker Spicher darlegt. Er ist für Artenschutz im Müritz-Nationalpark zuständig und Fachmann der Umweltorganisation BUND für den Wolf.

„Wir steuern da jetzt auf ein exponentielles Wachstum zu“, warnt Thomas Diener, Vorsitzender des Bauernverbandes Müritz.  „Der Umgang mit dem Tier ist problematisch und man sollte sich besser jetzt Gedanken darüber machen, bevor es zu spät ist“, sagt er. „Beutetiere, die nicht fliehen können, sorgen beim Wolf für eine Art Reizüberflutung. Da bricht der Instinkt durch“, so Kristin Zscheile, Mitarbeiterin beim Landesamt für Umwelt- und Naturschutz.

Das Land zahlt für Wolfsschäden zwar eine Entschädigung, doch gerade für kleinere Betriebe und Direktvermarkter sei es schwer, einen solchen Übergriff zu kompensieren. Auch bei Schutzmaßnahmen werden die Landwirte allerdings vom Land unterstützt. Elektrozäune sollen das Raubtier abhalten. In der Debatte steht auch die Ausbildung von Hütehunden zu fördern.

Andererseits könnten Bauern von mehr Wölfen profitieren. Jedenfalls indirekt. Denn Wildschweine und Rotwild haben damit wieder einen Fressfeind.