Langjähriger Bürgermeister nimmt Abschied:

Liebeserklärung an Waren und Frau Reinhild

Er ist einer der profiliertesten Bürgermeister im Nordosten der Republik. Doch jetzt neigt sich seine Amtszeit langsam dem Ende zu. Günter Rhein verabschiedete sich am Wochenende schon einmal von Freunden und Mitstreitern – in seiner ganz eigenen Art.

Alter und neuer Bürgermeister: Günter Rhein (rechts) und Norbert Möller (beide SPD).
Andreas Becker Alter und neuer Bürgermeister: Günter Rhein (rechts) und Norbert Möller (beide SPD).

Nein, so „einfach abtreten“ wollte Günter Rhein nicht. Gesagt, getan. Der seit fast zwei Jahrzehnten als Bürgermeister der Stadt Waren amtierende Rhein sagte in großem Rahmen „Tschüß“. Weggefährten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur hatte das Stadtoberhaupt in das Seehotel Ecktannen eingeladen, um auf 20 Jahre Warener Entwicklungsgeschichte, aber auch in die Zukunft zu schauen. „Ich habe meine Arbeit nie nur als Job verstanden“, beschrieb Rhein seine Motivation – und schickte gleich eine Liebeserklärung an Waren hinterher: „Dies ist meine Stadt, die ich über alles liebe.“ Neben seiner Frau Reinhild – natürlich! „Denn ohne sie“, das machte Rhein sichtlich gerührt deutlich, „wären die vergangenen 20 Jahre nicht so gut verlaufen.“ Seine Frau habe stets Verständnis für seine Arbeit gehabt und sie sei es gewesen, „die mich in meinen schlaflosen Nächten wieder aufgebaut hat“. Zarthauchend flüsterte Rhein ins Mikrofon: „Reinhild, ich habe Dich lieb.“

Doch so harmonisch sah die Warener Welt unmittelbar nach der Wende nicht aus. „Von blühenden Landschaften war auch an der Müritz zunächst nichts zu sehen. Doch wir haben die Existenzangst überwunden, sind nicht in Lethargie verfallen“, erinnerte sich Rhein an die schwierigen Jahre zu Beginn der 90er. In Waren habe es glücklicherweise genug mutige Bürger gegeben, die ihr Leben und das der Stadt selbstbewusst und selbstbestimmend in die Hand genommen hätten. Die Chance, die die Wiedervereinigung geboten habe, hätten die Warener genutzt. Rhein machte klar, wie der Aufschwung funktioniert habe: „Erst wenn die Wirtschaft läuft, läuft auch alles andere.“ Und so sei in Waren ein Netz entstanden, „in dem jeder Bürger – wenn er will – seinen Platz findet“.

 Der Bürgermeister, der offiziell am 18. Dezember seinen letzten Arbeitstag hat, hatte seine Gäste zu Spenden aufgerufen – statt zu Geschenken. Und siehe da: Über 9000 Euro kamen zusammen. Rhein versprach: „Dieses Geld wird nachhaltig in Waren eingesetzt.“

 

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