Tourismus-Studie:

Mehr Windkraft - weniger Touristen?

Das ist Wind auf den Mühlen der Gegner. Eine Studie zeigt, wie viele Touristen sich tatsächlich durch Windparks und -anlagen gestört fühlen. Für die Müritz-Region sind die Ergebnisse besonders dramatisch.

Eine Studie beschäftigt sich mit Auswirkungen der Windräder auf den Tourismus.
Bernd Wüstneck Eine Studie beschäftigt sich mit Auswirkungen der Windräder auf den Tourismus.

Zahlen lügen nicht. Bei der Interpretation kann das schon anders aussehen. Die anhaltende Debatte um den Ausbau der Windenergie in der Region hat neuen Zündstoff bekommen. Der Tourismusverband des Landes hat eine aufwändige Studie in Auftrag gegeben. Die Frage: Welchen Einfluss haben Erneuerbare Energien auf den Tourismus. Eine Forschergruppe aus Kiel hat dafür knapp 8000 Interviews geführt und ausgewertet. Die Studie sei damit repräsentativ für deutsche Urlauber, so Dirk Schmücker vom Institut für Tourismusforschung. Er und seine Kollegen fanden heraus: Besonders in Mecklenburg-Vorpommern werden Windkraftanlagen als störend wahrgenommen. Rund acht Prozent der Urlauber im Land nähmen dies so wahr. Mehr als in anderen Bundesländern oder im Ausland. „Ein weiterer Ausbau der Windenergie wird das Bild verschieben – mutmaßlich zum Negativen, dafür muss man kein Prophet sein", so Warens Stadtvertreter Jürgen Seidel, der gleichzeitig als Präsident des Tourismusverbandes fungiert. Gerade der ist aber im gesamten Land geplant. Auch in der Müritz-Region wird heftig darüber debattiert. Nach aktueller Planung wären besonders die Gemeinde Fünfseen und das Penzliner Land betroffen. 

Meinung der Gastgeber entscheidet mit

Mehr Windräder - mehr verstörte Urlauber: Ganz so einfach sei es nicht, heißt es von den Forschern aus Kiel. Wie Urlauber die Windkraft wahrnehmen, hänge von vielen weiteren Faktoren ab. "Wir wissen aus vergleichbaren Studien, dass es ganz stark darauf ankommt, wie die Einheimischen zu dem Thema stehen", erklärt Dirk Schmücker. Wenn der Vermieter und die Nachbarn am Urlaubsort schlecht über gebaute oder geplante Anlagen sprechen, wirke das auch auf die Gäste. Gleichzeitig dürfe man nicht überschätzen, welche Rolle eine solche Störung für die Urlaubsentscheidung spielt. Denn nur ein Bruchteil derer, die Windräder als störend empfinden, will deswegen nicht mehr in die Region kommen. Eine große Mehrheit gibt sogar an, die Anlagen gar nicht wahrzunehmen.

Wichtig sind auch Freundlichkeit und Freizeitangebote

Eine Störung im Landschaft, das ist für zwei Prozent der deutschen Urlauber ein Grund, den Urlaubsort nicht wieder aufzusuchen. Dabei spielen Windräder eine ähnlich große Rolle, wie Solaranlagen, Hochhäuser oder Autobahnen. In den meisten Fällen werden mehrere dieser Gründe genannt, die zu der Entscheidung führen. "Und wenn sie alle Hochhäuser, Straßen und Windparks abreißen, ist das immer noch keine Garantie, dass die Gäste wiederkommen", so Schmücker. In einer anderen Studie habe man herausgefunden, dass andere Faktoren eine deutlich größere Rolle spielen. "Zum Beispiel Freundlichkeit, Preise und Angebotsvielfalt vor Ort sind den Urlaubern viel wichtiger", erläutert er. Diese Daten seien zwar für das Nachbarland Schleswig-Holstein erhoben worden, aber vieles spräche dafür, dass es in Mecklenburg-Vorpommern nicht anders aussähe. Dennoch fürchtet man beim Tourismusverband um Arbeitsplätze in der Branche. Der weitere Ausbau der Windenergie sei ein Risiko, dass sich noch nicht ausreichen abschätzen lasse, so Seidel. Die Landesregierung müsse nun Kompromisse und kleinräumliche Lösungen finden.

Nordkurier digital jetzt ab 3,75 € pro Monat