Heftige Debatte:

Nach „Strudels“ Tod nehmen Tierschützer die Jäger ins Visier

Der tödliche Schuss auf einen Familienhund bringt Tierschützer auf die Palme. Sie fordern ein Schussverbot auf Haustiere. Der Jagdpräsident appelliert dagegen an seine Kollegen, mehr Fingerspitzengefühl zu zeigen.

Bärenhündin Strudel wurde von einem Jäger erschossen.
privat Bärenhündin Strudel wurde von einem Jäger erschossen.

Der Abschuss des tapsigen Familienhundes „Strudel“ durch einen Jäger vor knapp einer Woche hat hohe Wellen geschlagen. Mit heftiger Kritik reagierte jetzt die Tierschutzorganisation PETA  auf den Vorfall in einem Maisfeld bei Schloen. „Es ist ein Skandal, dass der Abschuss von Hunden und Katzen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer erlaubt ist“, sagte Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. Die Tierschützer forderten die Landesregierung auf, ein Verbot der Jagd auf Haustiere zu beschließen. Die Behauptung, streunende Katzen und Hunde würden eine ernsthafte Bedrohung für die Wildtierpopulation darstellen, entbehrt laut Fachreferentin Reithinger jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.   

Anlass für die heftigen Worte der Tierschutzorganisation ist der gewaltsame Tod einer Bärenhündin, die den Betreibern eines Erlebnisbauernhofes in Schloen gehörte. Die Hündin der Kosins hatte einen Abstecher auf ein Maisfeld unternommen und war einem Jäger aus der Umgebung vor die Flinte gelaufen. Er erlegte „Strudel“ mit einem Schuss und zog sie anschließend nach Aussagen des Hundebesitzers vom Feld ins Gestrüpp. Der Landwirt fand seinen toten Hund erst nach mehreren Stunden Suche am nächsten Tag. „Sie wurde ohne Grund abgeknallt und entsorgt wie ein Stück“, hatte sich Alexander Kosin über das Verhalten des Jägers empört.

Aufs Jagdrecht verwiesen

Der Jäger rechtfertigte den Abschuss in einem persönlichen Gespräch mit Kosin mit dem geltenden Jagdrecht in MV. Demnach dürfen führerlose Hunde getötet werden, wenn sie Wild aufsuchen oder verfolgen. Die Bärenhündin soll laut Schütze ein Stück Wild in ihren Fängen gehabt haben. Alexander Kosin bezweifelt diese Version. Die etwa 60 Kilogramm schwere Hündin sei gar nicht in der Lage gewesen, wilden Tieren nachzusetzen. Es handelte sich außerdem um einenliebevollen Familienhund, „der keiner Menschenseele etwas zuleide getan hat.“ Gegenüber dem Nordkurier wollte sich der Schütze  zu dem Vorfall nicht äußern. 

Für die Tierschützer von PETA ist aber ohnehin klar: „Den Jägern geht es nicht um Arten- oder Tierschutz, sondern lediglich um Beuteneid und die Lust am Töten.“ Um Haustiere vor dem Tod durch Jägerhand zu bewahren, drängen sie auch für den Nordosten auf eine Neuregelung der Jagdgesetze, wie sie gerade in Nordrhein-Westfalen erlassen wurde. In dem Bundesland ist es Jägern seit Juni verboten, Katzen zu töten. Auch der Abschuss von wildernden Hunden ist nicht mehr ohne Weiteres zulässig.

Die Jägerschaft in Mecklenburg-Vorpommern kann sich mit Beschränkungen bei der Jagd auf Hunde und Katzen noch nicht anfreunden. „Das ist nicht sehr sinnvoll. Das Wild muss geschützt werden“, sagt der Präsident des Landesjagdverbandes Volker Böhning. Der Präsident appelliert aber auch an das Fingerspitzengefühl seiner Kollegen. „Der Abschuss ist ja nicht vorgeschrieben. Man kann auch anders reagieren und sich erst einmal an den Hundehalter wenden, wenn man ihn kennt“, sagt Böhning. Diesen Schritt hätte sich auch Alexander Kosin vom Jäger gewünscht, der „Strudel“ zur Strecke brachte.

 

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Kommentare (2)

Ich stell mir vor, ein Hund jagt eine Rotte maisfressender Wildschweine durch die Gegend und der Jäger erlegt den Hund. Nachdem der wildtierfreundliche Jäger den Hund ins Gebüsch abgelegt hat, kommen die Wildschweine nach dem Schreck wieder und wüten weiter im Maisfeld. Und Jäger freut sich, dass er wild Wild schützt.

Da fragt man sich wirklich ob dieser "Jäger" ein Gewissen hat! Jäger kennen in der Regel ihr Revier und diejenigen die dort wohnen. Warum den gleich schießen!! Warum den nicht mal seinen Hintern bewegen, schauen wem der Hund gehört und das Gespräch suchen?! Und dann den Hund auch noch im Gestrüpp liegen lassen..... Bei dieser Moral sollte man vielleicht erwägen Jäger richtig! zu bestrafen. Katzen und Hunde eine Gefahr für unsere Wildtiere? Nie im Leben. Die Rate der Übergriffen von Hunden auf Wild ist sooo gering. Bei weitem Höher ist die Rate von Jägern die unerlaubt alles schießen zu jeder Jahreszeit was vor ihre Flinte kommt! Egal ob Schonzeit oder nicht. Nur darüber spricht kein Mensch!