Und am Ende ein Handgemenge:

„Nazis raus“! Und die Touristen wundern sich

Eine Stunde wurde gebrüllt, gepfiffen und geträllert - am Ende, als sich das kleine Häuflein Nazis und die wesentlich größere Gruppe von Demokraten beim Abmarsch in die Quere kamen, wurde aus den Wortgefechten ein Handgemenge. "Ohne Körperverletzungen", wie Warens Polizeichef Rüdiger Ochlast tief durchatmend verkündete.

„Waren bleibt bunt“: SPD, Linke und Grüne boten den Nazis Paroli – und plakatierten mit Nachhilfeunterricht in Geschichte.
Andreas Becker „Waren bleibt bunt“: SPD, Linke und Grüne boten den Nazis Paroli – und plakatierten mit Nachhilfeunterricht in Geschichte.

Was für ein skurriles Bild: Auf der einen Straßenseite die 30 bis 40 Anhänger von SPD, Grünen, Linken sowie demokratische Bürger, auf der anderen Straßenseite die 10 bis 15 Neonazis - und mittendrin rollt im Schritttempo die Tschu-Tschu-Bahn über den Papenberg. Voll besetzt mit Touristen aus der ganzen Republik. Während die Rechtsextremen etwas von „Asylantenbetrug“ ins Mikrofon brüllten, riefen die Gegendemonstranten „Aufhören“, „Nazis raus“ und „Ihr könnt nach Hause fahren“. Waren im Sommer 2015, die Touristen schauten verdattert nach links und rechts. Urlaubsgefühle?

"Wir üben noch"

Nun, zumindest fühlten sich die Demokraten am Freitagnachmittag etwas wohler. „Der Widerstand ist zu erkennen“, zeigte sich Michael Löffler mit der Beteiligung der Gegendemonstranten durchaus zufrieden. Sicherlich könnten es noch mehr sein, doch das würde man in nächster Zeit schon noch hin bekommen, so Löffler. Der SPD-Kommunalpolitiker augenzwinkernd: „Wir üben noch.“ Dies gelte laut Löffler wohl speziell auch für die CDU, die in der ersten halben Stunde komplett durch Abwesenheit glänzte. Erst dann fuhr Stadtpräsident René Drühl vor, parkte kurz und mischte sich umgehend unter die Demokraten.

Schubserei und Pöbelei

Apropos Demokratie: Von den gewählten Stadtvertretern waren neben René Drühl und Michael Löffler lediglich Jürgen Köhn, Christine Stridde, Rüdiger Prehn und Nadine Julitz vor Ort. 6 von 27. „Schön, dass auch einzelne Bürger kommen und Flagge zeigen“, lobte Löffler denn auch lieber das Wahlvolk. Dass am Ende fast in eine handfeste Auseinandersetzung geriet. Als sich die Nazis pünktlich nach einer Stunde auf den Heimweg machten, kreuzten sich die Wege von Demokraten und Nicht-Demokraten. Ein Wort gab das andere, es wurde geschubst und gepöbelt. Blitzschnell war Rüdiger Ochlast zur Stelle, stellte sich mutig zwischen die Streithähne, schlichtete und forderte Verstärkung an. Binnen Sekunden waren zwei Polizeitransporter mit Bereitschaftspolizisten am Tatort. „Die hatten wir zur Sicherheit in der Hinterhand und versteckt postiert“, schmunzelte Ochlast.

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