(K)ein klarer Fall:

Nitrat in Röbeler Brunnenwasser

Nichts mit Trinkwasserqualität. Wer privat einen Brunnen im Garten hat, der muss unter Umständen sein blaues Wunder erleben, was die Wasserinhaltsstoffe angeht. Jedenfalls gibt es an der Südmüritz Grund zur Sorge.

Harald Gülzow in Röbel. Der Gewässerkundler beschäftigt sich mit der Zusammensetzung des Grundwassers . Foto: Carsten Schönebeck/Archiv
Carsten Schönebeck Harald Gülzow in Röbel. Der Gewässerkundler beschäftigt sich mit der Zusammensetzung des Grundwassers . Foto: Carsten Schönebeck/Archiv

Schlechte Nachrichten für die Besitzer von Garten-Brunnen in Röbel und Umgebung. Und nicht nur für sie: „Das Grundwasser im Raum Röbel ist stark mit Nitraten belastet.“ Das geht aus einer Pressemitteilung des sogenannten VSR-Gewässerschutz hervor, eines Vereins, der seinen Ursprung mal im Rhein-Main-Gebiet genommen hat, mittlerweile aber in ganz Deutschland Wasseranalysen vornimmt. So hatten Einwohner aus Röbel und Umgebung die Gelegenheit genutzt, ihre Brunnenwasser-Proben zum Labormobil zu bringen. Sie erhofften sich Aussagen über die Qualität des kühlen Nass‘, mit dem sie ihre Beete wässern oder die Schwimmbassins der Kinder füllen. Und die Untersuchung, die bereits im Juli auf dem Röbeler Marktplatz angeboten wurde, förderte alarmierende Ergebnisse zu Tage, wie VSR-Pressesprecher Harald Gülzow jetzt informiert.  

Auch andere Orte betroffen

Demnach wurden bei einem privaten Röbeler Brunnen 234 Milligramm Nitrat pro Liter gemessen. Weiter sehr stark mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer unter anderem in Zepkow mit 225 Milligramm pro Liter (mg/l), in Minzow mit 178 mg/l sowie in Ludorf mit 158 mg/l fest. „Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen“, warnt der Labor-Experte. Weitere erhöhte Nitratbelastungen stellten die Umweltschützer in Vipperow mit 85 mg/l und in Karbow mit 75 mg/l fest.

Insgesamt haben die Gewässerkundler Wasser aus 31 privaten Brunnenanlagen der Region analysiert. In über einem Drittel der ausgewerteten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Schwellenwertes der deutschen Grundwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Belastetes Wasser fließ in die Müritz

Die Gefahr dabei: „Das mit Nitraten belastete Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann zur Müritz“, heißt es in den Ausführungen. Dort wirke das Nitrat als Dünger und fördere das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung, also zum vermehrten Nährstoffeintrag. Außerdem steht Nitrat in Verdacht, in gewissen Konzentrationen Krebs-Erkrankungen zu begünstigen.

Und der Verein hat sich auch auf Ursachensuche begeben: „Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steigt an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel sind, die auf den Feldern ausgebracht werden“, so der Sprecher. Während die Landwirte in Trinkwasserschutzgebieten Informationen über die Nitratkonzentrationen des Grundwassers im Einzugsbereich ihrer Felder bekommen, fehle diese Angabe außerhalb dieser Gebiete. Um die Notwendigkeit an einer Änderung der Düngerausbringung zu sehen, bräuchten Landwirte aber dringend Messwerte über den Zustand des Grundwassers. Siehe: http://www.vsr-gewässerschutz.de/44.html oder  http://www.vsr-gewässerschutz.de/15.html. Die Umweltschützer werden weitere Messungen durchführen, heißt es.  Brunnennutzer, die sich an diesen beteiligen möchten, erreichen die Labor-Crew freitags zwischen 9 und 12 Uhr unter 02831 976523.

Experten schließen Trinkwasser-Belastung aus

Indes ist der VSR-Gewässerschutz-Verein nicht der Einzige, der auf eine hohe Nitratbelastung im Grundwasser hinweist. Schon vor Jahren hat es auf politischer Ebene seitens der Bündnisgrünen Vorstöße gegeben mit Verweis auf die moderne Landwirtschaft. Dass die Belastung des Grundwassers aber auch Auswirkungen auf das Trinkwasser hat, das aus der Leitung kommt, wurde von regionalen Wasserversorgern bisher immer rigoros ausgeschlossen. Das Trinkwasser stamme aus viel tieferen Schichten, es sei in jedem Fall bedenkenlos genießbar, hieß es bislang.

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