Diskussion:

Ortsumgehung spaltet Warener

Eigentlich sollte die Abstimmung zur Ortsumgehung auch das Ende der Streitereien seien. Jetzt wird aufs Neue taktiert, geschimpft und gepöbelt. Eine Lösung des Lärm-Problems rückt damit in noch weitere Fernen.

Ende September hatte die Mehrheit der Warener gegen eine Umgehung gestimmt. Doch der Streit um das Projekt ist damit noch lange nicht aus der Welt.
Carsten Schönebeck Ende September hatte die Mehrheit der Warener gegen eine Umgehung gestimmt. Doch der Streit um das Projekt ist damit noch lange nicht aus der Welt.

Er wollte Fakten schaffen, wo bisher nur politische Versprechen stehen. Doch mit seinen Vorschlägen steht Stadtvertreter Hans-Jürgen Kersten (CDU) am Ende ganz alleine da. Es hagelt Kritik von allen Seiten. Kersten hatte gefordert, die Stadt solle schnellstmöglich dafür sorgen, dass eine Ortsumgehung faktisch unmöglich wird. Entsprechende Flächen verkaufen, Bebauungspläne ändern, Beschlüsse zurücknehmen. Weder seine Fraktion noch der zuständige Ausschuss wollen dieser Idee folgen. Auch die Stadtverwaltung warnte davor, die Flächen einfach so zu verkaufen.

Ende September hatte die Mehrheit der Warener gegen eine Umgehung gestimmt. Doch der Streit um das Projekt ist damit noch lange nicht aus der Welt. Kritik an der Abstimmung kommt jetzt vor allem von den Befürwortern. Die Warener hätten im Wesentlichen gegen eine Tiefwarensee-Brücke gestimmt, nicht grundsätzlich gegen eine Umgehung, heißt es dort. Gleichzeitig sei vielen Warenern die Möglichkeit genommen worden, an der Abstimmung teil zu nehmen, weil die Landesregierung aus Kostengründen auf eine Briefwahl verzichtet hatte.

Für viele der lärmgeplagten Anwohner der B 192 ist das Thema tatsächlich noch lange nicht vom Tisch. „Hier versucht eine zahlenmäßig kleine Lobby ihre privaten Interessen gegen das Wohl der Stadt durchzusetzen“, so Klaus Krecklow von der „Bürgerinitiative für eine Ortsumgehung“. Der Bau sei zwingend notwendig um Lärm, Abgase und Verkehrsgefahr in der Innenstadt zu minimieren.

Der Großteil der strittigen Flächen, die für eine mögliche Umgehung reserviert und tatsächlich im Besitz der Stadt sind, liegt in Waren-West. In allen zur Debatte stehenden Varianten einer Umgehung sollte dort die Teterower Straße mit dem westlichen Ortsausgang verbunden werden. Doch in der Stadtverwaltung will man die so genannte „Westspange“ nicht so schnell aufgeben. „Geplant ist, dass sich in diesem Gebiet in den nächsten Jahren Gewerbe ansiedelt. Dann brauchen wir dort auch Raum für eine Verkehrsanbindung“, erläutert Gabriele Daedelow, zuständig für die Stadtentwicklung. Hohe Einnahmen seien dadurch ohnehin nicht zu erwarten. „Es geht da nicht etwa um hektarweise Land“, so Daedelow.

Kersten hält dagegen, die Stadt wolle damit das Ergebnis des Bürgerdialoges negieren. „Das ist schon ein starkes Stück. Die demokratische Entscheidung soll im Nachhinein zerredet werden“, so der CDU-Mann. In der Tat warben einzelne seiner Kollegen im Ausschuss für Stadtentwicklung dafür, alle Optionen auch vorerst offen zu halten. „Die Bundesregierung kann immer noch entscheiden, dass die B 192 ausgebaut wird und dann wird man vor Waren kaum Halt machen, egal wie hier abgestimmt wurde“, so Rainer Espig (Die Linke). Aber auch die Gegner einer Umgehung warnten vor „Schnellschüssen“. Zunächst soll jetzt die Verwaltung prüfen, was ihrer Ansicht nach möglich und nötig ist.