Gottesdienste:

Pastor im Weihnachtsstress

Pastor Karsten Schur hatte mit seiner Frau sechs Kirchen zu bespielen. 60 Kinder haben ihm dabei geholfen. Und ein ausgeklügelter Zeitplan.

Krippenspiel in Lütgendorf für einen guten Zweck: Wird nicht bald das Dach saniert, muss eine der ältesten Kirchen der Region gesperrt werden. Foto: Silke Voß
Krippenspiel in Lütgendorf für einen guten Zweck: Wird nicht bald das Dach saniert, muss eine der ältesten Kirchen der Region gesperrt werden. Foto: Silke Voß

Eigentlich müsste man dem Pastor und seiner Frau Flügel wünschen, so wie sie am Heiligen Abend, wenn andere die Besinnlichkeit feiern, umher geeilt sind. Zu zweit hatten Karsten Schur und Dörte Krause-Schur sechs Kirchen zu „bespielen“ in Hohen Wangelin, Vielist, Jabel, Kirch Grubenhagen, Sommerstorf und Lütgendorf. Das ging so: Um 14 Uhr predigte der Pastor in Hohen Wangelin, während seine Frau in Kirch Grubenhagen das Krippenspiel (Pastor Nebel aus Krakow hat hier mit der Predigt ausgeholfen) bewerkstelligte. Um 15.30 Uhr stand er schon wieder in Vielist auf der Kanzel, wo eine Vielisterin die Regie übers Krippenspiel führte.

Synchron predigte Dörte Krause-Schur in Sommerstorf, Gottesdienst und Krippenspiel zugleich managend. Und um 17.30 Uhr trafen sie sich in Jabel, um partnerschaftlich Predigt und Aufführung der Weihnachtsgeschichte zu teilen. „Zum Glück hatten wir am 24. Rückenwind und kein Schneetreiben“, meint Schur die stürmischen Böen des Heiligen Abends. Sonst wäre schnell die ganze Logistik durcheinandergekommen.

„Ja, wir sind schon ein ziemliches Unternehmen“, kommentiert der Geistliche dieses konzentrierte Zeitmanagement. Schließlich sind in dem Unternehmen „geflügelter Gottesdienst“ 60 Kinder „angestellt“. Aus allen zu bespielenden Orten wurden kleine Darsteller rekrutiert. Und die stehen schon seit Oktober auf der Matte, besser, dem Altarteppich.

Der „Firma“ gehört auch Jan Diller an. Sonst im Bundespolizeiorchester oder seiner Band in den USA, verwandelt sich der Jabeler Musiker alle Jahre wieder in einen Kirchen-Orgelspieler und eilt von Auftritt zu Auftritt mit. Auch viele Eltern zählen zu den Mitarbeitern. Sie bauen Bühnenkulissen oder fahren ihre kleinen Engel, Hirten, Marias oder Josefs ins Kirchentheater. Wie bereits am 4. Advent nach Lütgendorf in einer der ältesten, selten geöffneten Kirchen der Region, wo der Anbruch der Heiligen Nacht vorgefeiert wurde – weil der Zeitplan für den 24. Dezember eng gestrickt war. Hier standen Jabeler Kleindarsteller auf der Bühne mit deren Barock-Türchen. Denn Lütgendorf ist so lütt, dass hier nicht mehr genügend Kinder ein Team bilden.

Doch die Pforten selbst für die noch so kleine Kirchengemeinde in Lütgendorf zu öffnen ist wichtig. Schließlich ist die Kollekte für einen dringenden Zweck bestimmt: Wird nicht bald das Dach saniert, kann das Kirchlein gar nicht mehr geöffnet werden. Ein Blick nach oben offenbart vermutlich Schimmel am Gebälk.

Doch es gibt noch nicht mal Schätzungen, was eine rettende Sanierung überhaupt kosten würde. „Das liegt eigentlich jenseits aller Bauvorhaben“, meint Schur profan, „bei all den die Krediten, die wir noch zu bedienen haben.“ Eine prächtige Tanne einzig für die eine Gottesdienststunde zu Christi Geburt in Lütgendorf aber musste sein. „Die ist gesponsert, dafür haben wir schon das ganze Jahr über Ausschau gehalten.“

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