Warener Ortsumgehung:

Pastoren wagen sich in die politische Arena

Die Kirche macht mobil – dem Thema Ortsumgehung sei Dank. Zwei Warener Pastoren wagen sich aus den Gotteshäusern hinein ins praktische Leben – und nehmen die Sorgen der Bürger wahr und auf.

Zahlreiche Autos fahren täglich auf dem Schweriner Damm in Waren und bringen somit viel Lärm und Abgase in die Stadt, der besonders für diejenigen zur Plage wird, die im unmittelbaren Umfeld wohnen und arbeiten.
Carsten Schönebeck Zahlreiche Autos fahren täglich auf dem Schweriner Damm in Waren und bringen somit viel Lärm und Abgase in die Stadt, der besonders für diejenigen zur Plage wird, die im unmittelbaren Umfeld wohnen und arbeiten.

Mit offenen Briefen haben sich Pastorin Anja Lünert (St. Georgen) und Berufskollege Leif Rother (Mariengemeinde) am späten Mittwochabend per Mail entschieden gegen eine Ortsumgehung Warens ausgesprochen. Es gebe zwar keine offiziellen Beschlüsse oder Wahlempfehlungen der Kirchengemeinden hinsichtlich der Ortsumgehung, doch wollten die Pastoren sich in dieser seit Jahren kontrovers diskutieren Frage eindeutig positionieren.

„Kirche muss politischer werden“, fordert Anja Lünert ihre Glaubensschwestern und -brüder zu mehr Courage bei gesellschaftlichen Themen auf. Kirche müsse lebensnah sein – deshalb unser öffentliches klares Nein zu jedweder Variante einer Ortsumgehung. Die 39-Jährige ist seit zwei Jahren in Waren beheimatet und hat innerhalb des Bürgerdialogs in puncto Ortsumgehung in der Begleitgruppe mitgewirkt.

„Vielleicht befassen wir uns in der Kirche oftmals zu sehr mit unserem Innenleben. Ich habe in den vergangenen Wochen in meinem Beruf als Pastor aber gespürt, wie sehr die Menschen in Waren das Thema Ortsumgehung bewegt – wie sehr die Bürger in dieser Angelegenheit Kummer und Sorgen haben. Wenn den Leuten etwas so unter den Nägeln brennt, dann muss sich die Kirche respektive die Pastoren klar äußern“, sagt Leif Rother. Wobei der 49-Jährige Wert auf die Feststellung legt, dass „es unter den Kirchenmitgliedern natürlich auch gegenteilige Meinungen gibt. Doch warum sollten wir schweigen? Aus Liebe zu unserer Stadt, vor allem im Blick auf unsere Kinder und Enkel, votieren wir gegen eine Ortsumgehung.“

Dass die Pastoren mit ihrer Ankündigung, sich auch künftig verstärkt zu aktuellen Themen zu äußern, durchaus auf Gegenliebe der Bürger treffen, hat Rother bereits beobachtet: „Ich werde oft gefragt, wofür steht Kirche, was denkt ihr, was sagt ihr? Vor diesem Hintergrund sollten wir von der Kanzel stets das praktische Leben im Blick haben.“ Dies fordert der Pastor auch von den Bürgermeisterkandidaten – im Wahlkampf  hätten ihm oftmals klare Aussagen gefehlt.