Besen-Posse in Waren:

Politiker wie einst Goethes Zauberlehrling

Was eigentlich als ein netter Gag gedacht war, entwickelt sich in Waren zu einer Provinz-Politposse, über die man lächeln kann. Wenn es nicht so traurig wäre.

Günter Rhein fegt jetzt erst nach der Wahl.
nk Günter Rhein fegt jetzt erst nach der Wahl.

Ein Schelm, wer Böses dabei dachte. Denn eigentlich war die Geschichte einfach nur nett gemeint, ein kleiner Gag, nicht ernst zu nehmen, etwas zum Schmunzeln. Doch hat sich aus der für Warens Bürgermeister Günter Rhein (SPD) verloren gegangenen Wette eine Politposse entwickelt, über die man, wenn überhaupt, nur noch bitter grinsen kann.

Was ist passiert? Schon während der Müritz-Sail Anfang Mai boten die Organisatoren des Müritz-Schwimmens dem Stadtoberhaupt eine Wette an. Wenn es dem Müritzsportclub gelingen sollte, mehr als 750 Wasserratten für die Teilnahme am Müritzschwimmen zu begeistern, muss Rhein den Neuen Markt fegen. Der Bürgermeister setzte dagegen. Und verlor.

Da kommt die Hilfe, die Rhein nicht wollte

Nix schlimmes. Muss er eben den Markt fegen, zum Gaudi vieler Schaulustiger. Bei dem Ehrgeiz, über den der Bürgermeister Warens verfügt, kann man davon ausgehen, dass er die Sache gut macht. Auch wenn er nach 19 Jahren Amtszeit alles andere als einen „neuer Besen“ darstellt, die ja bekanntlich am besten kehren sollen.

Darüber hat auch der Nordkurier berichtet, ganz klar. Und weil dies so ist, hat auch Jost Reinhold, jener in der Schweiz lebende 83-jährige Ex-Industrielle, als Mäzen und Spender in der Müritzregion bestens bekannt, das gelesen. Und sich prompt beim Nordkurier gemeldet und dem Bürgermeister seine Unterstützung beim Fegen angeboten. Auch das stand im Nordkurier, ganz klar.

Aber jetzt ist Warens Bürgermeister Günter Rhein verstimmt. Nicht, weil er die Wette verloren hat und auch nicht, weil ihm Jost Reinhold helfen will. Sauer ist das Stadtoberhaupt darüber, dass sich nunmehr Unterstützer finden, von denen er sich gar nicht helfen lassen will. So der FDP-Fraktionsvorsitzende in der Warener Stadtvertretung, Toralf Schnur, der großzügig Hilfe anbot.

Fegen bis auf Nach-Wahlzeit verschoben

Die beiden sind wahrlich keine Männerfreunde. Dazu kommt, Schnur möchte gern die Bürgermeisterwahlen am 22. September gewinnen, er tritt als einer von vier Kandidaten in Waren an. Und wittert deshalb überall Verrat. So soll er gerade in der Stadtverwaltung nachgefragt haben, warum denn Stadtpräsident Norbert Möller, der für die SPD als Bürgermeister antritt, den Siegern des Müritzschwimmens gratuliert hat und nicht Warens Vize-Bürgermeister Dietmar Henkel, der ja ebenfalls vor Ort war.

Jedenfalls hat Rhein die Nase voll. Ehe noch die stadtoberhäuptliche Reinigung des Marktplatzes für Wahlkampfzwecke missbraucht wird, ließ er den Nordkurier wissen, verschiebe er den Griff zum Besen auf irgendwann nach dem 22. September. Punktum.
„In die Ecke, Besen! Besen! Seid’s gewesen. Denn als Geister ruft euch nur, zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister“, heißt es in Goethes Zauberlehrling. Fast scheint es in Waren den Protagonisten ähnlich zu gehen, wie jenem Aufschneider, dem die Sache mit den Besen über den Kopf gewachsen ist.

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