Einbrecher-Jagd:

Polizei fliegt nachts über der Müritz Streife

Kaum eine Bootsanlage die es noch nicht erwischt hat. Schuppen und Liegeplätze in der Müritzregion sind ein Paradies für Einbrecher. Gerade in der dunklen Jahreszeit. Die Polizei begegnet dem Problem mit drastischen Maßnahmen.

Über dem Mühlenteich in Neubrandenburg kreist am Mittwoch (28.03.2012) ein Polizeihubschrauber, um die Suche nach weiteren Teilen der zerstückelten Frauenleiche vorzubereiten, nachdem gut 30 Zentimeter Wasser abgelassen wurden. Die ersten Teile der Frauenleiche waren zum Jahreswechsel am Tollensesee gefunden worden, später wurden auch Teile im Mühlenteich entdeckt. Gesucht wird jezt der Kopf der Frau. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Foto: Bernd Wüstneck dpa/lmv +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bernd Wüstneck Über dem Mühlenteich in Neubrandenburg kreist am Mittwoch (28.03.2012) ein Polizeihubschrauber, um die Suche nach weiteren Teilen der zerstückelten Frauenleiche vorzubereiten, nachdem gut 30 Zentimeter Wasser abgelassen wurden. Die ersten Teile der Frauenleiche waren zum Jahreswechsel am Tollensesee gefunden worden, später wurden auch Teile im Mühlenteich entdeckt. Gesucht wird jezt der Kopf der Frau. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Foto: Bernd Wüstneck dpa/lmv +++(c) dpa - Bildfunk+++

Das hat so manchen Röbeler aus dem Schlaf geholt. Ein sonores Brummen breitete sich in der Nacht zu Mittwoch über die Stadt. Wer den Weg aus dem Bett und zum Fenster fand, der konnte das nächtliche Schauspiel am Himmel bewundern. Ein Hubschrauber der Wasserschutzpolizei kreiste über der Stadt und dem Umland. Extra eingeflogen vom Flughafen Laage war die Wasserschutzpolizei unterwegs in der Müritz-Region. Was war da los? Besorgte Anfragen erreichten auch den Nordkurier. Doch nach Auskunft der Behörden gab es keinen aktuellen Anlass für den Besuch des „fliegenden Auges“. Man sei auch nicht zu Trainingszwecken unterwegs gewesen.

Die Erklärung: Die Polizei fliegt jetzt Streife an der Seenplatte. Wenn die Urlaubszeit zu Ende geht, beginnt die Hochsaison für Einbrecher und Diebe. Die haben es bei uns vor allem auf maritime Beute abgesehen. Bootsausstattung und Zubehör, besonders die Motoren, stehen im Fokus der Verbrecher. Erst vor wenigen Tagen hatte es wieder einen Bootshandel in Sietow erwischt. Zum wiederholten Mal in diesem Jahr wurden dort Motoren entwendet. Betroffen sind aber vor allem die Liegeplätze an den Seen. „Auf den Anlagen ist jetzt natürlich viel weniger Betrieb. Die Chance auf frischer Tat ertappt zu werden ist geringer“, erklärt Polizeidirektor Ulrich Koppenhagen. Er ist Einsatzleiter der Wasserschutzpolizei des Landes. In der Tat: Noch vor Kurzem hatte ein 61-Jähriger in Schwenzin einen Diebstahl verhindern können. Er hatte auf seinem Boot übernachtet, war nachts wach geworden und hatte mehrere Personen mit Taschenlampen am Anleger bemerkt. Die Unbekannten ergriffen die Flucht und ließen dabei auch ihre Beute zurück.

Schon den Sommer über hatte die Polizei mehrfach um Zeugenhinweise gebeten, weil in der ganzen Region geklaut wurde. „Gerade im Binnenland haben wir es als Ermittler sehr schwer“, erläutert Koppenhagen. Durch die Vielzahl an Seen sei es unmöglich ständig präsent zu sein. Zumal die Liegeplätze vielfach abgelegen seien. Weit weg vom nächsten Dorf und schlecht einsehbar. Nun hoffen die Beamten der Wasserschutzpolizei, dass die Überwachung aus der Luft hilft. Ein vergleichbares Manöver habe es seit längerem nicht mehr gegeben. „Das wir solche Kontrollflüge machen ist schon eher die Ausnahme. Aber wir hoffen, dass es für die Diebe eine Abschreckung ist“, so der Einsatzleiter.

Die ist bitter nötig. Denn unter den Bootsbesitzern geht die Angst um. Einige von ihnen empfehlen sogar, man solle die Schuppen gleich offen lassen. Das erspare zumindest die Kosten für aufgebrochene Türen. Zumindest statistisch hat sich die Lage in den vergangenen Jahren gebessert. 2010 war das Land noch bundesweiter Spitzenreiter für gestohlene Motoren. Knapp 300 Fälle zählten die Behörden damals. Seit dem ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Inzwischen liege man „nur noch“ auf Platz 3 im Vergleich mit anderen Bundesländern.

Als Schutzmaßnahme rät die Polizei zum Codieren der Motoren. Dadurch konnte schon so manches Diebesgut später identifiziert werden. Das Codieren wird von den Behörden mehrmals im Jahr kostenlos angeboten. Wer es besonders sicher haben will, dem bleibt allerdings nur eine Lösung: Das Boot von allen Wertgegenständen zu befreien. Selbst Motoren lassen sich in vielen Fällen leicht abmontieren und per Auto transportieren. Auf keinen Fall sollten Navigationsgeräte oder andere teure Technik im Schuppen bleiben.

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