Warener Kinderhaus:

Rettungsanker für Mädchen und Jungen versinkt

Wenn die Eltern überfordert sind, ist die alte Villa in Waren oft die letzte Hoffnung. Dort betreut der Diakonieverein eine Schar Kinder, die es zu Hause besonders schwer haben. Bis jetzt. Denn das Kinderhaus schließt seine Türen zum Jahresende.

Vor dem Kinderhaus in Waren stapeln sich alte Möbel. Seit zehn Jahren hatte der Diakonieverein das Haus gemietet. Jetzt geht es an den Eigentümer zurück.
Carsten Schönebeck Vor dem Kinderhaus in Waren stapeln sich alte Möbel. Seit zehn Jahren hatte der Diakonieverein das Haus gemietet. Jetzt geht es an den Eigentümer zurück.

Noch 62 Tage bis zum endgültigen Aus. Die Vorboten der Schließung sind schon deutlich zu sehen. Vor dem Kinderhaus in der Warener Bahnhofstraße türmen sich alte Möbel und Spielgeräte. Über zehn Jahre hinweg war die Einrichtung der Diakonie ein Rettungsanker. Dort, wo das Jugendamt eingreifen musste, standen die Erzieher des Kinderhauses zur Seite. Für die Kinder und Jugendlichen sollte es ein zweites Zuhause sein, wenn Eltern überfordert sind. Mit der Erziehung und oft auch mit dem eigenen Leben. Rund um die Uhr wurden die Schützlinge betreut.

Ende des Jahres ist damit Schluss, wie Marco Glamann bestätigt. Er gehört zum Betreuer-Team. Die Gründe? Dazu will er sich nicht äußern, verweist auf die Führung des Diakonievereins in Malchin. Doch der Vorstand ist für den Nordkurier seit Tagen nicht erreichbar. Beim zuständigen Jugendamt heißt es, die Zahl der Familien, die das Angebot nutzen, sei rückläufig. Nach Angaben auf der Homepage ist das Haus für bis zu acht Kinder ausgelegt. Zuletzt wurden dort noch fünf betreut.

Weniger hilfsbedürftige Familien im Landkreis – eine gute Nachricht. Nur eben nicht für diejenigen, die im Warener Kinderhaus leben. Sie werden jetzt aus ihrem Umfeld gerissen. Lösungen seien gefunden, so Haidrun Pergande, Sprecherin des Landkreises. „Die Mitarbeiter des Jugendamtes haben intensive Gespräche geführt mit den Eltern und mit den Betreuern“, sagt sie. Ganz individuell habe man entschieden, wie es weiter geht. Vier der Schützlinge werden in andere Einrichtungen des Landkreises verteilt. Einer kehrt zu seiner Familie zurück.

Die Entscheidung, das Kinderhaus zu schließen, habe der Diakonieverein getroffen, betont der Landkreis. Doch das Jugendamt bringt auch die Finanzierung ins Gespräch. Für jedes betreute Kind bekommt der Trägerverein Entgelt. Weniger Kinder bedeutet weniger Geld. „Das Jugendamt kann keine Garantie für die vollständige Auslastung einer Einrichtung geben“, so Pergande.