Beim Vorort-Termin in Silz:

Richter zittert und der Zeuge sorgt für Wärme

Ungewöhnlich: Mitten in Silz, wo im März ein Nachbarschaftsstreit blutig eskalierte, verhandelte das Neubrandenburger Landgericht und schaute sich alles genau an. Allerdings ohne Roben, dafür in dicke Jacken  gehüllt.

Der Tatort: Hinter den Mauern dieses Hauses wurde ein Mann verletzt. Das Gericht schaute sich alles an.
Thomas Beigang Der Tatort: Hinter den Mauern dieses Hauses wurde ein Mann verletzt. Das Gericht schaute sich alles an.

Egon T. ist wieder zu Hause. Genau sieben Monate sind vergangen, seit der Rentner aus Silz in Handschellen aus seiner Wohnung abgeführt wurde. Am 29. März soll er den Sohn seiner im gleichen Haus lebenden Nachbarin, mit einem Küchenmesser in den Bauch gestochen haben. In Tötungsabsicht, so die Staatsanwaltschaft, in Notwehr, so die Verteidiger.

Egon T. darf seine Wohnung aufschließen. Allerdings – sein Aufenthalt ist nur von kurzer Natur. Denn der Mann aus Silz verbringt seine Zeit seit jenem Schicksalstag in der Untersuchungshaft in Neubrandenburg, ständig an seiner Seite zwei Justizvollzugsbeamte. Nach Silz zurückkehren durfte er nur gemeinsam mit dem Staatsanwalt, den Richtern und Schöffen der Strafkammer, seinen Rechtsanwälten und der Protokollantin, weil der Vorsitzende Richter Klaus Kabisch einen sogenannten Vorort-Termin angesetzt hatte. „Ein regulärer Verhandlungstag“, erklärt der Jurist, „nur eben nicht im Gerichtssaal.“ Angesetzt wird ein solcher, wenn es die Prozessbeteiligten für nötig halten, einen Tatort selbst in Augenschein nehmen zu müssen, um sich ein besseres Bild vom Tatgeschehen zu machen.

Im Treppenhaus wird die Szene nachgespielt

Bitterkalt ist das am Morgen in Silz. Im Treppenhaus vor der Wohnung des Angeklagten drängeln sich Offizielle und Zuhörer. Oben wohnt die Nachbarin, deren Sohn bei der Messerattacke so schwer verletzt wurde. Das Opfer, dessen Bruder, ein Freund und die Mutter müssen nachspielen, was sich am 29. März kurz nach dem Mittag abgespielt hatte. Zu viert standen sie nämlich auf dem Flur und auf der Treppe, als Egon T. zugestochen hatte. Wo stand wer, will Richter Kabisch wissen und wie groß war der Abstand zum Angeklagten?

Prozess wird im November fortgesetzt

Die Kälte zwickt und Richter Kabisch ist zwei Zeugen aus dem Nachbardorf sehr dankbar. Die müssen, weil sie jetzt gleich in Silz gehört werden, nicht extra nach Neubrandenburg zum Gericht fahren. Eine Hand wäscht die andere: Das Paar, mit dem Angeklagten befreundet, hat den Gemeindesaal in Silz klar gemacht und dort schon vorsorglich die Heizung angeworfen. Hier geht die Verhandlung weiter – mit der Vernehmung jener beiden.

Die Frau sagt aus, an jenem Tag einen Anruf von Egon T. erhalten zu haben. Er werde von drei Männern attackiert und sie soll doch ihren Mann bitte zur Unterstützung vorbeischicken. Der aber ist auf Schicht und rät von dort, doch die Polizei zu informieren. Beide wussten von ewigen und lautstarken Streitereien mit der Nachbarin. Aber als die Zeugin bei der Polizei anruft, wurde ihr beschieden, ein Streifenwagen sei schon unterwegs in Richtung Silz. Zu spät.

Genug gesehen, genug gehört. Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt. Dann wieder im warmen Saal des Landgerichts.

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