70 Jahre nach Todesmarsch:

Röbeler rütteln Erinnerung an KZ-Häftlinge wach

Tausende KZ-Häftlinge gingen durch die Straßen einer Stadt und keiner hat es gesehen? Niemand erinnert sich? Röbeler wollen Versäumtes nachholen und jetzt aufarbeiten, was vor fast genau 70 Jahren geschehen ist.

Abseits der Hauptstraßen wird bei Grabow-Below an den sogenannten Todesmarsch von KZ-Häftlingen erinnert, doch einige führte ihr Weg unter anderem mitten durch Röbel und Malchow.
Elke Enders Abseits der Hauptstraßen wird bei Grabow-Below an den sogenannten Todesmarsch von KZ-Häftlingen erinnert, doch einige führte ihr Weg unter anderem mitten durch Röbel und Malchow.

Dass der Todesmarsch von Häftlingen aus dem KZ Sachsenhausen im April und Mai 1945 durch die südliche Müritzregion ging, ist Teil der Erinnerungskultur der Menschen hier. In Grabow-Below, wo tausende entkräftete Häftlinge in Eiseskälte im Wald rasteten und starben, daran wird in einer Gedenkstätte erinnert. Doch dass sich fast zur gleichen Zeit ein Strom Häftlinge auch durch Röbel quälte, vom KZ Ravensbrück über Vipperow, Röbel und Malchow bis kurz vor Schwerin, das scheint vergessen worden zu sein.

Für Kathrin Grumbach, Vorsitzende des Bundes für Natur und Heimat Müritz Elde e.V. (BNH), ein unerträglicher Gedanke. „Der Häftlingszug ging nicht auf Nebenstraßen, sondern auf den Hauptstraßen durch unsere Stadt. Das müssen die Leute gesehen haben, davon müssen sie gewusst haben. Der Zug der Häftlinge ging übrigens auch an der Kirche vorbei, an der heute an die gefallenen Soldaten des Ersten und des Zweiten Weltkrieges erinnert wird. Nach Hinweisen zu den Häftlingen aber sucht man vergebens. Das muss sich ändern“, meint die Röbelerin.

Christen wollen Todesmarsch-Strecke nachvollziehen

Gemeinsam mit BNH-Mitgliedern und dem Förderverein Gedenkstätte „Belower Wald“ soll dieser Teil der Röbeler Stadtgeschichte nun aufgearbeitet werden. Hinweisschilder, die an die Todesmarsch-Route rund um Below erinnern, sind nicht mehr vollständig erhalten. „Wir wollen neue Schilder erarbeiten, damit die Ereignisse vor 70 Jahren nicht in Vergessenheit geraten“, meint Kathrin Grumbach, die froh ist über die Zusammenarbeit mit der Belower Gedenkstätte und dessen Förderverein. „Wir stehen ganz am Anfang und freuen uns über jeden, der mitmachen möchte“, betont Kathrin Grumbach.

Während es den Röbelern bei ihrer neuen Initiative um geschichtliche Aufarbeitung geht, setzt eine Gruppe um den Peckateler Pastor Horst Schröter auf Aufarbeitung, auf die Verarbeitung von Traumata. Er und rund 15 weitere Christen aus Deutschland, Israel und den USA wollen im April und Mai vom KZ Ravensbrück aus zu Fuß den Marsch der Häftlinge nachvollziehen: über Mirow, Vipperow, Röbel, Sietow, über Malchow, Karow und Goldberg bis nach Raben-Steinfeld bei Schwerin. „Wir wollen mit den Menschen, die heute entlang der Strecke leben, ins Gespräch kommen, wir wollen helfen, Verschüttetes aufzuarbeiten. Und das gibt es nicht nur bei den Augenzeugen des Marsches, sondern auch, in anderer Form, bei ihren Kindern und Enkeln“, ist Pastor Schröter überzeugt.

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