Irrungen und Wirrungen in der Anfangszeit:

Röbels Bürgermeister wollte die Fusion verbieten

Während die Massen auf das Kulturkosmosgelände strömten und erste Bühnen ihre Lautstärkeregler aufdrehten, ging es im sogenannten ConTent-Zelt ganz sachlich zu. Der Röbeler Ex-Bürgermeister und Ex-Polizeichef erinnerten in lockerer Atmosphäre an die Anfänge des Festivals ­- und gaben auch eigene Irrungen zu.

Bei der Podiumsdiskussion im ConTent-Zelt (von links): die Rechlinerin Mareen, dann Kulturkosmosvereinsvorsitzender Martin Eulenhaupt, alias "Eule", die Moderatorin, der ehemalige Röbeler Polizeichef Frank Etzold und Röbels (Ex-)Bürgermeister Heiner Müller.
Elke Enders Bei der Podiumsdiskussion im ConTent-Zelt (von links): die Rechlinerin Mareen, dann Kulturkosmosvereinsvorsitzender Martin Eulenhaupt, alias "Eule", die Moderatorin, der ehemalige Röbeler Polizeichef Frank Etzold und Röbels (Ex-)Bürgermeister Heiner Müller.

Nee, das kam Heiner Müller nicht in die Tüte. Eine Horde ausgeflippter junger Leute, die auf dem Flugplatz in Lärz wilde Partys feiern wollte? Eine Campinggenehmigung für das ungewöhnliche Treiben sollte es nicht geben, nicht mit ihm.

Heiner Müller, langjähriger Bürgermeister von Röbel, der gerade kurz vor der Pensionierung steht, war damals Umweltamtsleiter im Amt Röbel-Müritz und eben für solche Genehmigungen zuständig. Es war Mitte der 90er Jahre. Die Fusion steckte in den Kinderschuhen. Aber schon damals zählte das Festival zehntausende Sympathisanten. In der Region dagegen postierten sich die Gegner. „Ich hielt mich seinerzeit für den tolerantesten Menschen überhaupt“, erzählt ein schmunzelnder Heiner Müller nun bei der Podiumsdiskussion zum Auftakt der 20. Fusion. Wie hat alles begonnen? Welche Hürden gab es, und wie ist das Festival in der Region angekommen?

Hier feiern 60000 Leute und alles bleibt friedlich

Doch zurück zu Heiner Müller. Ihm passte es damals gar nicht in den Kram, dass da irgendjemand kam und auf die Genehmigung pochte. Und überhaupt, wie sollte er die Fusion einordnen? In geltenden Gesetzblättern fand er bis dato nur Pfadfindercamps mit sechs bis acht Zelten. Und da passte das Festival nun gar nicht rein. „Vergessen Sie die Veranstaltung, ich unterschreibe hier gar nichts“, sagte Müller schließlich Vereinschef Martin Eulenhaupt ins Gesicht. Der darauf sinngemäß konterte: „Dann stellen Sie sich aber an die Autobahn und sagen den 20 000 Leuten, dass das Festival ausfällt….“ Dieses Argument zog denn auch bei Heiner Müller – jedenfalls für den Moment. Er unterschrieb.

Seine Bedenken waren deshalb trotzdem noch nicht ausgeräumt. Und hier kam Frank Etzold ins Spiel, damals Leiter von der Polizeidienststelle in Röbel, der schon ein paar Fusions-Erfahrungen gesammelt hatte. „Mensch, was hast Du denn gegen die Veranstaltung? Hier feiern 60000 Leute, und alles bleibt friedlich. Bei jedem Dorffest haben wir mehr Stress als bei diesem Festival“, redete er Müller ins Gewissen. Es fruchtete. Und als sich der Röbeler Amtsträger dann schließlich dank zweier Freikarten, die „Eule“ ihm anbot, selbst ein Bild machte, schlug die anfängliche Ablehnung in Bewunderung um. „Tja, ein Bulle hat mich zur Toleranz zurück geholt“, meinte Müller augenzwinkernd vor sogleich applaudierendem Publikum. Inzwischen outet er sich als wahrer Fusions-Fan, der die Organisations- und Aufbauleistungen des Vereins und seines Netzwerkes lobt.

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