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Schlechtes Wetter freut die Bauern

VonSören MusyalDie Bauern der Müritzregion haben sich geirrt – zum Glück. Von Spätschäden des langen Winters ist keine Spur mehr. Der nasse und kühle ...

Vergessen sind die Sorgen nach dem langen Winter. Der kalte und feuchte Frühling hat dafür gesorgt, dass die Bauern nicht mehr mit Mindererträgen rechnen, sondern mit einem überdurchschnittlichen Jahr. Vor allem der gleichmäßige Regen hat dazu beigetragen, dass Raps und Getreide wieder im Soll sind.  FOTO: Sören Musyal

VonSören Musyal

Die Bauern der Müritzregion haben sich geirrt – zum Glück. Von Spätschäden des langen Winters ist keine Spur mehr. Der nasse und kühle Frühling scheint zum Segen für die heimische Landwirtschaft zu werden.

Müritzregion.In Tagen wie diesen bemüht der Volksmund umso häufiger Weisheiten, die das schlechte Wetter erklären können. Besonders beliebt sind aber auch Gesetze, die Regen und Kälte in ein besseres Licht rücken. So besagt eine alte Bauernregel: „Ist der Mai kühl und nass, füllt‘s dem Bauern Scheun‘ und Fass.“
Diesen Spruch zitiert auch Thomas Diener, Vorsitzender des Bauernverbandes Müritz, derzeit gern. „Wir sind, ehrlich gesagt, froh darüber, dass es momentan so feucht und kühl ist“, gibt er zu. Schließlich hätten die Bauern so den Entwicklungsrückstand der Getreide- und Rapspflanzen aufholen können. „Nach dem langen Winter hat eigentlich jeder mit Mindererträgen gerechnet“, erinnert er, „inzwischen gehen wir aber von einem überdurchschnittlichen Jahr aus.“
Nach Spuren des langen Winters sucht man indes vergeblich. Zwar hätte die Frostperiode im März die Vegetation zum Ruhen gebracht, erklärt Diener. „Aber die geschlossene Schneedecke hat die Saat gut isoliert.“ All zu großer Schaden sei daher doch nicht entstanden. Gefährlich werde es nur, wenn der Frost zurückkäme, aber davon gehe Thomas Diener eigentlich nicht mehr aus.
Und so werden auch wärmeliebende Saatgüter nicht in Mitleidenschaft gezogen. „Mais und Rüben sind noch recht klein, da macht die fehlende Wärme noch nicht so viel aus.
Ähnlich sehen das vermutlich die Kühe rund um die Müritz. „Wir Menschen übertragen unseren Wohlfühlgrad ja gerne auf die Tiere, aber das passt meist gar nicht“, gibt der Bauernvorstand zu bedenken. So läge die beste Temperatur für Rindvieh eigentlich bei 0 Grad. „Ab 20 Grad beginnt für Kühe der Hitzestress.“ Ein kühler Frühling? Ein Paradies für unsere Kühe.
Doch trotz aller positiven Auswirkungen des schlechten Wetters: Es birgt auch Gefahren. „Das Risiko für Pilzbefall steigt“, so Diener. Beim Pflanzenschutz müsse das bedacht werden. Gleichzeitig aber gebe es durch die niedrigen Temperaturen weniger Schädlinge. Das kürzlich beschlossene Verbot bienengefährdender Insektizide würde kaum ins Gewicht fallen.
„Die Zusammenarbeit mit den Imkern wollen wir dennoch intensivieren“, stellt er klar. „Wir müssen miteinander reden und Zeiten haben, in denen Imker ihre Völker mal nicht rauslassen, damit wir sprühen können.“
Und eines gibt Diener noch zu bedenken: „Weltweit steigende Erträge bedeuten immer auch sinkende Preise.“ Ein gutes Jahr könne 2013 also nur werden, wenn es die Bauern schaffen, ihre Ernte zu guten Konditionen abzusetzen.

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