Wursthersteller Nölke soll im Sommer dicht machen:

Schock! Aus für Warener Wurst kostet 130 Jobs

Ob es die Wiener der Marke „Müritzer“ in Zukunft noch gibt, ist ungewiss. Sicher ist, dass der alteingesessene Wursthersteller Nölke in Waren dicht macht. Ein Schock – nicht nur für die Angestellten.

Am Wochenende herrscht Tristesse auf dem Betriebsparkplatz der Wurst-Fabrik. Ab Mitte Juli könnte dieses Bild zum Dauerzustand werden.
Nadine Schuldt Am Wochenende herrscht Tristesse auf dem Betriebsparkplatz der Wurst-Fabrik. Ab Mitte Juli könnte dieses Bild zum Dauerzustand werden.

Nun steht es definitiv fest: Der Warener Standort der ehemaligen Fleischverarbeitung wird geschlossen. Das teilte die Heinrich Nölke GmbH & Co.KG, zu der der Betrieb seit 1991 gehört, am Sonnabend mit. Damit verlieren 130 Angestellte ihre Arbeit. „Die Produktion wird Mitte Juli eingestellt“, sagte ein sichtlich betroffener Norbert Möller. Warens Bürgermeister hatte erst am Freitagnachmittag von der Schließung erfahren. Wohl kurz nachdem den Mitarbeitern dies auf einer Belegschaftsversammlung mitgeteilt worden war. Es muss ein Schock gewesen sein.  Auch für Möller: „Das ist einfach nur schlimm“, sagte er.

Die Anwohner nahe des Wurstwerkes sind einfach nur empört über die Schließung. „Die Leute tun mir echt leid, die jetzt ihre Arbeit verlieren“, sagt Ingrid Bader. Schade sei auch, dass in Klink dieser Tage ebenfalls ein großer Arbeitgeber seine Türen schließt, spielt sie auf das Aus des Müritz-Hotels an. „Für Mecklenburg-Vorpommern und für Waren ist das alles nicht gut und auch nicht gut fürs Image“, findet sie. Eine andere Rentnerin aus Waren-West ist ebenfalls aufgebracht. „Das ist der Kapitalismus, wie wir ihn in der Schule gelernt haben“, schimpft die Frau. Die Leute, die jetzt ihre Arbeit verlieren, seien meist Mitte 50. „Wo sollen die noch was finden“, fragt sie verbittert.

Und was wird aus den Mitarbeitern?

Die Maßnahme sei jedoch unausweichlich, teilte Pressesprecher Jan Dermietzel vom Nölke-Unternehmen nüchtern mit. „Der Standort ist in der jetzigen Form nicht überlebensfähig“, hieß es weiter. Erst zum 18. Dezember hatte die Nölke-Gruppe bekannt gegeben, ihre Tochtergesellschaft, zu der das Warener Unternehmen zählte, an die zur Mühlen Gruppe verkauft zu haben. Darin sah die Nölke-Gruppe zu diesem Zeitpunkt noch „einen Beitrag zur Sicherung des Unternehmens“. Eine Entscheidung, die vielleicht Mitte Dezember schon zu spät war. „Wir wissen seit längerer Zeit, dass ungeachtet des Eigentümerwechsels die Situation des Unternehmens Nölke und der einzelnen Standorte prekär ist“, sagte Dermietzel. Liefen die Aktivitäten weiter wie bisher, würde sich die Situation noch weiter verschärfen und das gesamte Unternehmen Nölke in Gefahr geraten. Welche Faktoren genau zur Aufgabe des Standortes geführt haben, dazu gab das Unternehmen keine Auskunft. Auch dazu, ob den Angestellten Arbeit an anderen Standorten angeboten wird, hielt sich die Firma bedeckt. Die Mitarbeiter werden in den kommenden Tagen schriftliche Mitteilungen zur Schließung erhalten.

Für Warens Wirtschaft ist der Jahresauftakt nicht zuletzt damit alles andere als rosig. Denn nicht nur das Nölke-Unternehmen schließt, auch der Betrieb „Feinkost Friedrich“, der Lachsfilets verarbeitet, hat zum Jahresbeginn 26 Mitarbeitern gekündigt. Warener, die im Klinker Müritz-Hotel gearbeitet hatten, werden mit dessen Schließung ebenfalls arbeitslos. Auch Warener Unternehmer, wie der Geschäftsführer der Schiffspropeller-Werke MMG, Manfred Urban, sind über das Aus der Wurstfabrik betroffen. „Es ist traurig, dass ein lange in Waren ansässiger Betrieb nun geschlossen wird“, sagte er. Allerdings habe sich für ihn mit dem Verkauf der Heinrich-Nölke-GmbH zur zur Mühlen Gruppe schon etwas angedeutet, erläutert Urban. „Waren ist der Sanierungsstrategie zum Opfer gefallen“, zog auch Wolfgang Sengewisch, Geschäftsführer des Nudelherstellers Möwe, eine düstere Bilanz.

Das Ende einer Ära

Mit Waren schließt der Fleischverarbeiter Heinrich Nölke GmbH (Versmold/NRW) schließt eines seiner vier Werke - ungeachtet des Verkaufs seiner Werke an die Zur-Mühlen-Gruppe (Böklund/Schleswig-Holstein), hieß es von der Zur-Mühlen-Gruppe. Die Übernahme sei inzwischen durch das Bundeskartellamt genehmigt. Weitere drei Werke betreibt Nölke in Versmold (Nordrhein-Westfalen) und Wusterhausen (Brandenburg). Das Fleischverarbeitungswerk in Waren, wo unter anderem die Geflügelmarke Gutfried produziert wird, war 1977 in dieser Größe entstanden. Nölke hatte die Firma von der Treuhand 1991 übernommen und modernisiert.

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