Ab in die Tonne!:

Schon wieder blamiert sich Waren mit dem Adressbuch

Peinlich, imageschädigend oder einfach nur dumm? Fakt ist, dass auch der zweite Versuch der Stadt Waren, ein Adressbuch herauszugeben, gründlich in die Hose gegangen ist. Im Rathaus herrschte am Montag das blanke Entsetzen.

So sieht das neue Adressbuch von Waren aus. Es steckt voller Fehler.
nk So sieht das neue Adressbuch von Waren aus. Es steckt voller Fehler.

Kaum war das aktuelle Adressbuch zu Wochenbeginn an Buchhandlungen und Bürgerbüro ausgeliefert, musste der Rathauschef seine Amtsleiter zur Krisensitzung zusammentrommeln. Die rund 150 Seiten umfassende Broschüre, die die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Städte-Verlag im baden-württembergischen Fellbach erstellt hatte, ließ die Verantwortlichen im Rathaus fast verzweifeln. Hatte die Stadt in ihrem eigenen Mitteilungsblatt per Flyer am Sonnabend noch in allen Briefkästen Warens mit dem Slogan „Das neue Stadtadressbuch ist da!!!“ himmelhochjauchzend gejubelt, mussten Möller, Lüdde, Henkel, Ulm und Co. beim genauen Blick in das Werk auf Katzenjammer-Modus umschalten.

Polizeidirektion, Polizeiinspektion oder Polizeihauptrevier?

Schon beim einfachen Durchblättern stechen die Fehler ins Auge. Beispiele gefällig? Bitteschön: Auf der Seite 10 ist von der Polizeidirektion Waren die Rede, auf Seite 20 ist es dann nur noch die Polizeiinspektion Waren. Richtig ist, dass es sich in Waren um ein Polizeihauptrevier handelt.

Der Drogeriemarkt Rossmann befindet sich laut aktuellem Adressbuch in der Lange Straße 51/52. Dort ist sie in der Realität aber nicht anzutreffen – im besagten Gebäude in der Fußgängerzone logiert Ernstings family. Rossmann ist bereits vor Jahren um die Ecke in unmittelbarer Nachbarschaft zum Marktplatz gezogen. Glaubt der Leser dem Adressbuch, müsste die alte Buchhandlung Lohmann ebenfalls noch am Markt beheimatet sein – in Wirklichkeit aber hat sich der bekannte Buchhändler bereits vor anderthalb Jahren in den Ruhestand verabschiedet – und ihren Buchladen für immer abgeschlossen.

Damit nicht genug der Peinlichkeiten – es gibt noch eine geschmacklose und imageschädigende Steigerung: Im Branchenverzeichnis unter der Rubrik Textilien ist doch tatsächlich – man mag es kaum glauben und aussprechen – Doris Zutt als Ladeninhaberin an der Mozartstraße 8 angegeben. Ja richtig, eben jene rechtsradikale Doris Zutt, die erst in der vergangenen Woche von der Polizei aus der Sitzung der Stadtvertretung abgeführt worden war. Ist die NPD-Frau in der Warener Politik noch allgegenwärtig, hat sie ihren Textilladen mit dem Titel Patriotentreff bereits vor zig Jahren aufgegeben. Das Adressbuch 2015 der Stadt Waren hält aber an der Geschäftsfrau Zutt und ihrem stationären Laden eisern fest.

Pennehagen - wo liegt das denn?

Die Pennerei in der Verwaltung macht leider auch nicht vor dem Ort Peenehagen nördlich von Waren halt. Im Stadtplan, der dem Adressbuch beigelegt ist, wird aus Peenehagen einfach mal schnell Pennehagen.

In Anbetracht dieser Fehlerauszüge – es gibt noch wesentlich mehr – klingt es fast wie Hohn, dass Bürgermeister Norbert Möller im Vorwort des Adressbuches von einem „informativen Nachschlagewerk“ spricht. Weiter schreibt der Bürgermeister im Vorwort: Er hoffe, dass das Buch den „Erwartungen gerecht wird und die Suchenden finden lässt“. Wahrscheinlich sollte der Bürgermeister zunächst auf Fehlersuche bei seinen Mitarbeitern gehen – denn: „Wir haben nur veröffentlicht, was wir von der Verwaltung in Waren geliefert bekommen haben“, wusch Tanja Feistritzer, Vertriebsassistentin des Städte-Verlages in Fellbach, ihre Hände in Unschuld.

Bürgermeister entschuldigt sich

Möller nahm den seiner Verwaltung zugeschobenen Schwarzen Peter an, entschuldigte sich am Montagnachmittag in einer Pressemitteilung bei den Benutzern des Nachschlagewerkes. Anschließend folgte der Versuch einer Erklärung: Die Fehler seien nicht vorsätzlich geschehen und lägen in der „Nichtabmeldung von Gewerbeanmeldungen durch die jeweiligen Gewerbetreibenden“. Und, zweiter Erklärungsversuch: „Es kann Gewerbetreibende geben, die mit ihrem Gewerbe in der Öffentlichkeit nicht mehr wahrgenommen werden, aber trotzdem noch als Internethändler angemeldet sind.“ 

Trotz aller Falschinformationen im Adressbuch – Norbert Möller ist nach der „Prüfung aller Umstände zu dem Ergebnis gekommen, dass Adressbuch nicht einzuziehen“. Begründung: Durch die Rücknahme des Buches wären der Stadt Kosten in Höhe von 44 000 Euro entstanden.

Da kommen Erinnerungen an das Jahr 2013 auf: Seinerzeit musste die Stadt das erste Adressbuch wenige Tage nach dem Erscheinen aufgrund einer Datenpanne stoppen. Etliche Adressen wurden damals veröffentlicht, ohne dass die Genehmigung der Betroffenen eingeholt worden war.

 

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