Schüler können Abi-Prüfungen verschieben:

Heizung führte wohl zum Boots-Unglück

Das Abi ist eine Prüfung, die wesentlich für das spätere Leben ist. Doch wie sollen die Schüler des Warener Fachgymnasiums dabei ihr bestes geben, wenn sie um ihre beim Boots-Unglück gestorbenen Klassenkameraden trauern? Das Bildungsministerium lenkt nun ein. Und auch die Ermittler sind einen Schritt weiter.

Familie, Freunde und Betroffene haben im Warener Hafen Blumen und Kerzen für die Opfer des Unglücks niedergelegt.
Winfried Wagner Familie, Freunde und Betroffene haben im Warener Hafen Blumen und Kerzen für die Opfer des Unglücks niedergelegt.

Schüler des Warener Fachgymnasiums , die die Prüfungen aufgrund des tödlichen Bootsunglücks am Hafen nicht ablegen wollen, können dies an einem Ersatztermin tun, teilte das Bildungsministerium am Dienstag in Schwerin mit. In Mecklenburg-Vorpommern wird zentral an diesem Mittwoch in Biologie und am Donnerstag in Deutsch die Prüfung geschrieben. „Dass man den Schülern in so einer belastenden Situation diese Chance gibt, ist wirklich toll“, meint Otmar Kristof, Chefarzt in der AHG Klinik auf dem Warener Nesselberg. Prüfungen würden eine zusätzliche psychische Belastung sein, die man auf diesem Wege vermeiden könnte.

Seit Wochenbeginn versuchen Lehrer und Schüler mit Unterstützung von Psychologen, das tragische Ereignis zu verarbeiten. „Es ist eine außergewöhnliche Situation. Die Gemeinschaft macht es erträglich“, sagte Schulleiterin Birgit Köpnick. Neben den Trauerlichtern am Hafen in Waren, wo das Unglück passierte, gibt es an der Schule eine weitere größere Trauerecke mit Blumen und Lichtern. „Die Trauer braucht auch ihre Zeit“, erklärte Landrat Heiko Kärger (CDU) nach einem Besuch an der Schule. Die Stadtvertretung von Waren will am Mittwoch bei ihrer turnusmäßigen Sitzung mit einer Gedenkminute der Opfer des tragischen Vorfalls gedenken.

Zwei Schüler des Gymnasiums waren am vergangenen Freitag bei dem Unglück im Stadthafen gestorben, zwei weitere Jugendliche wurden schwer verletzt. Sie erlitten auf einem Boot, das einem 19-jährigen Abiturienten gehörte, eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Der 19-Jährige und ein 17-Jähriger starben infolge der hohen Giftdosis. Die beiden Verletzten werden derzeit in Kliniken in Neubrandenburg und Berlin behandelt. Wie eine Sprecherin aus der Neubrandenburger Klinik informierte, ist der 17-Jährige außer Lebensgefahr. Der Zustand des 18-Jährigen, der nach Berlin kam, sei „im Wesentlichen stabil“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Man hoffe, beide in den nächsten Tagen anhören zu können.

Das geruchlose und giftige Gas hatte sich beim Betreiben einer Gasanlage an Bord gebildet, weil es nicht genügend Sauerstoff für die Verbrennung gab. Ermittler vermuten, dass die Gasheizung falsch betrieben wurde. Die Staatsanwaltschaft gab am Dienstag nach umfangreichen Untersuchungen das bisher beschlagnahmte Zehn-Meter-Boot in Waren wieder frei.

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