Zirkus in Waren:

Sind wilde Tiere in der Manege noch zeitgemäß?

Der Zirkus ist in der Stadt und versprüht etwas von Abenteuer, Ungebundenheit und Melancholie zugleich. Dabei ist für die Zirkusleute das Leben hart, das ihnen zunehmend im Protest gegen Wildtiere schwer wird.

Ganz geheuer ist der kleinen Madeleine der Gestreifte im Hintergrund nicht. Keine Angst, Larissa ist hinter Gittern.  
Silke Voss Ganz geheuer ist der kleinen Madeleine der Gestreifte im Hintergrund nicht. Keine Angst, Larissa ist hinter Gittern.  

Der kleinen Madeleine ist Larissa nicht geheuer. Aber das gestreifte „Ungeheuer“ hat schon gefressen. Außerdem trennt ein Gitter das Kind von der Tigerdame. Die ist es übrigens gewöhnt, mindestens 800 aufgeregte Kinderaugenpaare - soviel Leute nimmt das Zirkuszelt auf - in den Vorstellungen auf sich gerichtet zu sehen, wenn sie möglicherweise den Kopf des Dompteurs ins Maul stecken muss. Das ist nicht unbedingt das, was Tiger ausmacht, die es gewöhnt sind, in Freiheit die weite Savanne zu durchstreifen.

Der Circus Constanze Busch ist heute und morgen in der Stadt. Mit dabei sind etwa vierzig große Tiere wie Tiger, Yaks, Zebras, Ochsen, Kamele und Pferde. Margret Kuhlmann wird man vergebens in den Reihen sicherlich amüsierter Zuschauer suchen. Die Chefin des Warener Tierschutzvereins ist nämlich klar der Meinung, dass ein Wildtier sein ihm gemäßes Umfeld braucht. „Es muss jagen können, weit laufen und tun, was es will", erklärt Kuhlmann. "Wenn ein Tier seine Instinkte nicht ausleben kann, kann es zu Übergriffen kommen - und dann wird es einfach erschossen.“ Ihrer Meinung nach ist all das noch zu wenig im Bewusstsein vieler Leute angekommen, die in den Zirkus gehen und es toll finden, Elefanten Männchen machen zu sehen.

Immerhin, 14 europäische Länder haben ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen. Dem Circus Busch dagegen reichen die deutschen Vorschriften, an die er sich strikt halte. Dass es den Tieren gut geht, danach müsse in jeder Stadt ein Veterinär schauen. Auch das Bauamt komme vor Ort. Weniger, dass ein Tiger ausbricht, davon geht Circus-Busch-Artist und Pressesprecher Bodo Wünsch gar nicht erst aus. Eher, dass nicht etwa das Zelt einstürzt.

Dass aber vor allem in letzter Zeit viel Furore um Wildtiere im Zirkus gemacht werde, sei schon zu spüren, merkt Bodo Wünsch. In Waren hingegen scheint die Problematik an der Öffentlichkeit vorbeizugehen: Die Protest-Flyer, die der Tierschützer Frank Schulz an einigen Schulen verteilt habe, sind zumindest in der Dethloff-Schule gleich in den Papierkorb geflogen: „Wir nehmen grundsätzlich keine Werbung an“, hieß es im Sekretariat. Bodo Wünsch, der seine mutige Kunst zu DDR-Zeiten an der Artistikschule in Berlin gelernt habe, findet die Diskussion schade. Denn in seinen Augen hat Zirkus weiterhin Zukunft, nur anders. Und ein Zirkus ganz ohne Tiere wäre nur noch Variete wie es schon so viele gäbe. „Dann geht wieder etwas von der Vielfalt  kaputt. Und ich kann meiner Tochter nicht mehr zeigen, wie ein Tiger aussieht, der ohnehin vom Aussterben bedroht ist.“

 

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