Nachbarn vor Gericht:

Stunk, Stress und Steuergeld

Dass Nachbarn sich nicht immer grün sind, das ist verständlich. Doch wenn die Nervereien vorm Kadi enden, dann ist da wohl gehörig was schief gelaufen. Und wenn Streit zum Hobby wird, dann ist auch mit dem Richter nicht mehr gut Kirschen essen.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es nervige Nachbarn gibt. Ein Nachbarschaftsstreit in Röbel landete nun sogar vor Gericht.
Tom Bayer Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es nervige Nachbarn gibt. Ein Nachbarschaftsstreit in Röbel landete nun sogar vor Gericht.

Das Gute vorweg: Aus-dem-Fenster-Sehen darf selbst ein Richter nicht verbieten. Insofern kann – wer Zeit und Lust hast – so viel wie er mag in seinem Fenster „liegen“ und in die Welt sehen. Dass der Nachbar das nicht immer gut findet, das steht auf einem anderen Blatt. Man könnte es auch Strafanzeige nennen.

Denn ein 65-jähriger Röbeler hatte seinen Nachbarn angezeigt, weil dieser nach seiner Ansicht zu viel aus dem Fenster hängt und aus ebenjenem im Dachgeschoss zu oft auf sein Grundstück blickt. Darauf hin angesprochen, soll der „Spanner“ die berühmte Scheibenwischerbewegung mit der Hand gemacht und den „Stinkefinger“ gezeigt haben. Im Laufe der Verhandlung wurde aber recht deutlich, dass der Kläger nicht lange zögert, um Nachbarn bei Polizei, Ämtern oder anderswo in die Pfanne zu hauen und nicht gerade als beliebter Nachbar gilt.

Aber das war Richter Manfred Thimontz einerlei. Ihm ging es darum, diesen filmreifen Klassiker unter den Nachbarschaftsstreits ohne dicke juristische Keule zu beenden. Die Zeugen allerdings hatten während der richterlichen Befragung so einiges vorzubringen, das deutlich machte, dass das Zusammenleben in dieser Nachbarschaft in einer Röbeler Eigenheimsiedlung nicht immer ein Fest sein dürfte. So soll der Kläger eine Familie bezichtigt haben, keine Hundesteuer gezahlt zu haben, der eine parkt falsch, telefoniert zu laut im Auto, der andere beobachte zu viel. Da klingt der alte Spruch, dass der liebe Gott alles, aber die Nachbarn mehr wissen, fast wie eine Weisheit.

Richter hält nichts von Sichtschutz

Aber das Gericht zu bemühen, zahlreiche Zeugen noch dazu, nur um zu hören, dass man es jeden Tag darauf anlegt, dem andern quasi wieder am nachbarschaftlichen Ast zu sägen, das fand auch Richter Thimontz weder erheiternd noch ausbaufähig im Sinne der Verhandlung. Als er schließlich den Kläger bat, die Strafanzeige zurückzuziehen und es auf nachbarschaftlichem Weg durch öfter mal „Weg-Sehen“ statt sich gleich reinzusteigern, noch mal zu versuchen, knüpfte dieser daran Bedingungen: Das Dachfenster des Fenster-Guckers solle so mit einem Sichtschutz versehen werden, dass er nicht mehr aufs Kläger-Grundstück gucken kann. Nichts da, hieß es vom Richter, solche Deals werden bei Gericht nicht gemacht.

Das Niveau drohte zu sinken, jegliche Bereitschaft einer Einigung auch. Ergo: Manfred Thimontz folgte dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. Nach knapp zwei Stunden Verhandlung. Der ganze „Spaß“ kostet nur einen was – den Steuerzahler – denn die Kosten trägt laut Urteil die Staatskasse.

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