Bärenhündin Strudel erhitzt die Gemüter:

Todesschütze gerät ins Visier der Jäger

Den tödlichen Schuss auf die junge Hündin Strudel hat er gestanden, seine Kompetenzen als Jäger aber offenbar überschritten. Seine immer wiederkehrende Begründung, er habe nach Recht und Gesetz gehandelt, weist nun ausgerechnet einer aus den eigenen Reihen vehement zurück.

Die Bärenhündin Strudel war nach Angaben ihrer Besitzer zutraulich und ein toller Spielkamerad für die Kinder auf dem Erlebnisbauernhof der Familie Kosin. Das Tier wurde einem Jäger erschossen. Er rechtfertigte den Schuss mit der Begründung, das Tier habe gewildert.
Sabine Kosin Die Bärenhündin Strudel war nach Angaben ihrer Besitzer zutraulich und ein toller Spielkamerad für die Kinder auf dem Erlebnisbauernhof der Familie Kosin. Das Tier wurde einem Jäger erschossen. Er rechtfertigte den Schuss mit der Begründung, das Tier habe gewildert.

Da hat er sich wohl zu weit aus der Jagdkanzel gelehnt. Die Behauptung des Jägers aus Groß Plasten vor Gericht, dass er laut Jagdgesetz korrekt gehandelt habe, als er auf einen frei laufenden Hund schoss, „ist haltlos“. Nach Nordkurier-Recherchen war der Waidmann aus Schloen gar nicht berechtigt, die Flinte zu zücken und auf die 14 Monate junge Hündin Strudel zu schießen.

„Das dürfen nach dem Jagdgesetz in Mecklenburg-Vorpommern ausschließlich die Jagdpächter“, betont Henning Voigt, stellvertretender Geschäftsführer des Landesjagdverbandes in Damm bei Parchim gegenüber dem Nordkurier. „Das steht ausdrücklich im Landesjagdgesetz, dass Gäste diese Berechtigung nicht haben und auch nicht bekommen dürfen. Das Revier, in dem der Schütze den tödlichen Schuss abfeuerte, wird von drei Pächtern bewirtschaftet. Er habe lediglich die Jagdausübungsberechtigung.“ Das Schießen auf frei laufende Hunde und Katzen sollte ohnehin das allerallerletzte Mittel für einen Jäger sein“, so Henning Voigt. „Die Tiere, die am helllichten Tag auf einem Feld ströpern, gehören in unseren ländlichen Breiten meistens auch zu einem Hof. Im besten Falle kennen die Jäger die Gehöfte und Halter der Tiere, auch wenn das sicher nicht immer der Fall sein kann“, so Voigt weiter.

Verhandlung am 30. März

Tiere, die Wild reißen, kämen zudem in aller Regel nachts. Außerdem sei zu überlegen, ob es wirklich gleich der tödliche Schuss hätte sein müssen. „Man hätte, wenn die Waffe überhaupt zum Einsatz kommen muss, auch einen Warnschuss abgeben können. Es gibt Lösungen, die fern einer Tötung eines Tieres liegen“, betont Henning Voigt. Dies sei auch im Sinne der Jägerzunft, die durch das Verhalten, wie es der Jäger aus Groß Plasten gezeigt habe, dem Image der Jäger schaden würde. Kritik, sie seien schießwütig und wollten Beute machen, gebe es an den Jägern schon genug. Das müsste man nicht noch – zudem noch mit gesetzeswidrigen Aktionen –- befeuern.

Der Jäger aus Schloen, der vom Eigentümer der erschossenen Hündin verklagt worden war, muss sich nun für das Töten des Tieres vor Gericht verantworten. Die Verhandlung ist für den 30. März angesetzt. Ein erster Prozesstag in der vergangenen Woche hatte zu keinem Urteil geführt, da es immer neue Erkenntnisse gab. Weitere Zeugen müssten möglicherweise gehört werden, kündigte der Richter an.

Der Jäger aus Groß Plasten hatte im vergangenen Sommer die Bärenhündin Strudel auf offenem Feld mit einem Schuss niedergestreckt. Das Tier war ohne Aufsicht des Besitzers unterwegs gewesen und hatte nach Darstellung des Angeklagten Reste eines toten Rehs im Maul. Für ihn sei es ein freilaufender wildernder Hund gewesen. „Da habe ich geschossen“, begründete der Jäger vor Gericht. Der Fall Strudel hatte ein bundesweites Echo hervorgerufen. Die Tierschutzorganisation PETA hatte sich eingeschaltet und den Jägern Beuteneid und Lust am Töten unterstellt.

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Kommentare (3)

Der Jagdpächter ist der Jagdausübungsberechtigte. Der von Ihnen erwähnte Beklagte hat nicht das Jagdausübungsrecht, weil er nur Jagdgast ist. Schade, dass Sie beim Nordkurier immer wieder Fachbegriffe der Jagd falsch verwenden. ganz abzusehen von der Jägersprache. Es ist immer gut, wenn man kompetente Jäger konsultiert. Kreisjägerscjaften oder oder Weiter der Hegeringe sind immer eine gute Adresse. Bei Jägern hinterlassen solche Beitrage in der Zeitung immer ein wenig Enttäuschung, wenn schlampig recherchiert wird.

....haben wir diejenigen genannt, die ihre Mühe darauf gerichtet haben, durch Diskussionen um Worte und Bezeichnungen vom Inhalt abzulenken. Bei Lesern hinterlassen solche Beitrage in der Zeitung immer ein wenig Enttäuschung, wenn von Kommentatoren schlampig argumentiert wird. Kern der Aussage des Artikels ist die Kompetenzüberschreitung, die mindestens eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Bedauerlicher Weise gelten Tiere im BGB als Sache, soweit moralisch verkommen ist der Gesetzgeber bereits, In einer Zeit, wo Journalisten bestraft werden, weil sie mit der Verwendung des Begriffs Rabaukenjäger eine volkstümlich derbe, aber übliche und angemessene Ansprache gewählt haben, werden sie von einer Richterin mit einer fragwürdigen Auffassung von Recht und Gerechtigkeit als Beleidiger verurteilt. Ungesühnt bleiben Verstöße von "Jagdausübungsberechtigten", die in offenem Gelände eine Passantin mit angeleintem Hund zwingen, den Rückweg anzutreten, und diesen verbalen Druck unterstützen durch das Vorhalten einer nach vorn gerichteten Waffe, deren Lauf nicht abgeknickt gewesen ist... Siehe da, nichts passierte, obwohl der Vorfall seinerzeit dem Ordnungsamt des Landkreises angezeigt worden ist. Die Jägerschaft hat längst den Beweis angetreten (siehe Maisfeld bei Pasewalk), juristisch schwer belangbar zu sein. Es ist und bleibt ein elitärer Klüngel, und wo selbst Bedienstete des Landratsamtes gleichzeitig Jäger und Funktionsträger im Jagdverband e.V. sind, können Alarmglocken bei Gefahr rechtzeitig geläutet werden.......

Diesen außer Kontrolle geratenen schießwütigen passiert doch in MV ohnehin nichts. Das hat man schon im Falle des Wildschleifers gesehen! Dass Juristen gerne jagen gehen ist weitreichend bekannt und wenn dann eventuell ein Jäger auf dem Richterstuhl und einer davor sitzt, kann man sich ja denken was dann passiert...nichts...denn auf der nächsten Jagd sieht man sich ja eh auf einen Kräuter wieder! Ich bin selber Sportschütze aber so wie in MV mit Samthandschuhen gerichtet wird, habe ich selber noch nirgendwo anders erlebt. In diesem Fall müssten sofort alle Waffenrechtlichen Genehmigungen entzogen werden und unabhängig vom Gerichtsurteil eine MPU zum Wiedererlangen zur Auflage gemacht werden, so wie es eigentlich vorgesehen ist! Auch in diesem Fall wird es wie folgt ausgehen: 500,-€ an eine Tierschutzorganisation und Jagdschein und EWB bleibt unberührt. Es lebe die Mecklenburgische Justiz!