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Treues Trennwand-Taxi soll die Million voll machen

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg DöbereinerEr rollt und rollt und rollt: Der VW T4 des Taxiunternehmens Kleu chauffiert besondere Fahrgäste – und ...

Walburga Kleu, Dieter Riedel und Andreas Oschem (von links) im behindertengerechten Trennwand-Taxi  FOTO: Jörg Döbereiner

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Döbereiner

Er rollt und rollt und rollt: Der VW T4 des Taxiunternehmens Kleu chauffiert besondere Fahrgäste – und erreicht dabei einen rekordverdächtigen Kilometerstand.

Penkow.„Eine Million Kilometer wollen wir noch voll kriegen“, sagt Taxiunternehmerin Walburga Kleu. Und so abwegig wie es vielleicht klingen mag, ist dieses Ziel nicht. Schließlich hat der VW T4 der Penkowerin fast drei Viertel der Strecke geschafft: Bei 730 472 Kilometern steht der Tacho derzeit.
Im Juli 2002 schaffte Walburga Kleu den Neunsitzer an, und kann sich gar keinen anderen mehr vorstellen. „Die Neuen produzieren sie nicht in der Form, wie ich sie brauche“, sagt sie. Eine besondere Form braucht das Fahrzeug in der Tat, denn es transportiert besondere Fahrgäste: Fünf Behinderte chauffiert Fahrer Andreas Oschem jeden Tag von ihrem Zuhause zum Wohnheim der Interessengemeinschaft „Gemeinsam Leben in Röbel“ – und zurück.
Bei ausgebauten Sitzen passen bis zu vier Rollstühle in den Wagen, einer der Behinderten nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Nicht ganz ungefährlich. Schließlich kann es schon mal vorkommen, dass der Passagier während der Fahrt unter einem Anfall leidet und unkontrolliert um sich schlägt.
Für solche Fälle hat der Taxifahrerzum Schutz aller Fahrgäste eine Trennwand aus Plexiglas eingebaut– denn ein Schlag ins Lenkrad könnte verheerende Folgen haben.
Eine besondere Ausbildung, erklären die Taxifahrer, brauche man für den Behindertentransport nicht. Sensibel müsse man aber schon sein, um jungen und älteren Fahrgästen gleichermaßen die bestmögliche Betreuung zu bieten.
Trotz aller Vorsicht wurde es bei Andreas Oschem eines Morgens brenzlig, als unvermittelt ein Reh vor den Wagen lief. Der Unfall habe dem Fahrzeug allerdings nichts anhaben können. „Nur das Nummernschild war verbeult“, erzählt Andreas Oschem, der vom Nachfolgemodell anderes gewohnt ist. „Hier war nach einem Dammwild-Unfall die gesamte Vorderfront zerstört“, sagt er. Das beige Taxi mit dem Müritzer Kennzeichen ist offenbar aus einem anderen Holz geschnitzt – und wird deshalb wohl noch eine Weile weiterrollen.

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