Mit geklautem Auto:

Vater im Suff fährt Sohn an den Baum

Keinen Tropfen rühre er mehr an, seit Monaten sei er trocken, beteuert ein 42-Jähriger. Alles für seinen Sohn, den er in rasanter Alkoholfahrt in Lebensgefahr gebracht hatte. Aber was war wirklich geschehen an diesem Tag, an dem sein Kind hätte sterben können?

Der Suff hat sein Leben und das seines kleinen Sohnes in Gefahr gebracht. Doch der 42-Jährige will nun trocken durchs Leben kommen.
© Knipserin - Fotolia.com Der Suff hat sein Leben und das seines kleinen Sohnes in Gefahr gebracht. Doch der 42-Jährige will nun trocken durchs Leben kommen.

Zu viel. Immer wieder zu viel Alkohol kippte er in sich rein, der Rolf R. (Name geändert). Wie an jenem Tag vor knapp einem Jahr. In der Nachbarschaft gab es was zu Feiern. Da hatte sich auch der 42-jährige Lapitzer nicht lange bitten lassen. Ein Glas kam zum anderen. Und dann stand dieser Wagen in der Gartenanlage. Den Schlüssel dazu hatte gutgläubig irgendwer auf den Tisch gelegt. Der alkoholkranke Alleinerziehende hatte plötzlich nichts anderes im Sinn, als mit seinen fünfjährigen Jungen eine Fahrt Richtung Pasewalk zu unternehmen.

Vorm Warener Amtsgericht konnte sich der Lapitzer, der sich mit Hartz-IV über Wasser hält, am Donnerstag allerdings an nichts erinnern. „Ich weiß nicht mal, wie ich in das Auto kam“, sagte er leise. Zeugen sollten versuchen, seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Mit dem Kleinen an Bord, der nicht mehr als ein T-Shirt und einen Schlüpfer trug an jenem Apriltag, lenkte der Vater den geklauten Wagen bis in einen Ort nahe Pasewalk. Mit 1,83 Promille. „Ich kann nicht fassen, wie sie mit den Promille-Werten und mit ihrem Kind im Auto so eine weite Fahrt machen konnten“, sagte Richter Michael Kasberg.

Die Strafakte - Herzinfarkt-Gefahr für Verkehrsrechtler

Der Trinker war letztlich mit dem Wagen gegen ein Baum gefahren. Eine 73-jährige Zeugin wird vor allem ein Bild nicht los: Wie der kleine Junge „so dünn angezogen aus dem Auto kletterte.“ Sehr erregt und sichtlich mitgenommen hat die Dame nur eine Frage an den Angeklagten: „Wie geht es dem Jungen?“ „Gut“, kommt es kleinlaut.

Dass der Lapitzer auch alles andere als still und duldsam sein kann, das offenbart ein Blick in sein Strafregister. Wobei ein Blick nicht reicht. Selbst Richter Michael Kasberg meinte, dass das jedem Straßenverkehrsrechtler einen Herzinfarkt bescheren müsste. Seit rund 20 Jahren fährt er ohne Führerschein samt Unfallflucht, mehreren Knastaufenthalten und immer wieder unter Alkoholeinfluss.

Trocken ab dem nächsten Tag

Doch nach dem Unfall schien Rolf R. stocknüchtern. Wie sich ein Polizist erinnerte, saß er wie in Trance bei seinem Sohn im Rettungswagen. „Er wollte nicht von ihm weg. Und ich musste ihn lange dazu überreden“, berichtete der Beamte. Das Kind hatte zwei Tage im Krankenhaus gelegen, sei ohne Folgen des Unfalls.

Sein Vater allerdings habe seine Lektion gelernt, wie er versicherte. „Ich rühre keinen Tropfen mehr an. Ich habe seit dem schrecklichen Unfall von einem Tag zum anderen mit dem Trinken aufgehört. Ich war zur Suchtberatung und zur Therapie in Feldberg. Ich bin seit fast einem Jahr trocken“. Richter Kasberg redete dem Angeklagten ins Gewissen. „Denken Sie an Ihren Sohn. Noch eine Kleinigkeit, und Sie ziehen ein. Und dann wird ihr Junge wahrscheinlich in ein Heim kommen.“ Das Urteil: Ein Jahr und drei Monate Gefängnisstrafe – aber auf Bewährung.

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