Vor Gericht, weil Streit um den Sohn eskalierte:

Vater schlägt der Mutter die Lippe blutig

Ein Junge will seinen leiblichen Vater nicht mehr sehen – der vermutet dahinter eine Intrige. Ein Treffen mit Mutter und Sohn eskaliert daraufhin.

Der Streit um den Sohn endet blutig, die Mutter muss in die Notaufnahme.
NK-Bildmontage mit Foto: © detailblick - Fotolia.com Der Streit um den Sohn endet blutig, die Mutter muss in die Notaufnahme.

Das Urteil ist gefällt. Richter Michael Kasberg hat den Angeklagten für den Faustschlag auf die Ex-Lebensgefährtin zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt. Die Verhandlung ist damit beendet, aber der Richter hat Peter W. noch etwas Persönliches mitzuteilen: „Ich kann verstehen, warum ihr Sohn keinen Kontakt mehr zu ihnen haben will. So wie Sie sich hier aufgeführt haben.“

Der 56-jährige Peter W. war dem Richter immer wieder heftig ins Wort gefallen und hatte die Zeuginnen als Lügnerinnen bezeichnet. Verhandelt wurde in dem Prozess am Warener Amtsgericht eine Körperverletzung. Doch im Kern ging es um einen Vater, der nicht akzeptieren kann, dass sein 13-jähriger Sohn nichts mehr mit ihm zu tun haben will und dafür alle anderen verantwortlich macht - nur sich selbst nicht.

Der Streit mit der ehemaligen Lebensgefährtin Yvette D. um den damals 12 Jahre alten Kevin* eskalierte im November vergangenen Jahres. Peter W. erhält eine Kurznachricht auf sein Handy, dass der Sohn ihn nicht besuchen möchte. „Er steht unter dem Einfluss der Mutter. Sie verbreitet Lügen über mich und erzählt ihm, ich wolle ihn entführen“, sagt Peter W. dem Richter. Der 56-Jährige fährt zur Wohnung der Mutter und will mit dem Jungen alleine reden. Bereits im Hausflur kommt es zu Wortgefechten zwischen den Eltern. „Sie wollte das Feld nicht räumen“, sagt W. Er habe den Jungen dann in den Arm genommen und sei mit ihm auf den Hof gegangen. Yvette D. habe ihn daran hindern wollen. „In dem Gerangel hat sie dann einen Schlag abbekommen“, beteuert W. Er sei kein Frauenschläger und das Kind stehe für ihn an erster Stelle.

Kein Zweifel an Zeugenaussagen

Die Mutter dagegen schildert einen anderen Ablauf der Geschehnisse: Kevin sei von seinem Vater eher gepackt worden. Er soll geschrien haben: „Papa, du tust mir weh!“ Als sie ihren Ex-Lebensgefährten aufhalten wollte, soll er ihr einen gezielten Schlag mit der Faust verpasst haben. Ärzte in der Notaufnahme müssen die geplatzte Unterlippe mit mehreren Stichen nähen. „Kevin möchte überhaupt nicht zu seinem Vater“, betont die Mutter vor Gericht.

Ihre Version wird noch von zwei weiteren Zeuginnen bestätigt. Demnach hat der Vater seinen eigenen Sohn in den Schwitzkasten genommen und davongetragen. „Er hat geschrien und geheult“, berichtet Christina R. Zugeschlagen habe Peter W. aus der Drehung. Und auch die Schilderungen von Monique R. lassen Zweifel am Bild des fürsorglichen Vaters aufkommen. „Er hat ihn rausgezerrt“, erzählt sie dem Richter. Kevin habe gerufen: „Papa, lass mich los“. Für Peter W. sind das alles Lügen und abgesprochene Aussagen. Doch im Ermittlungsprotokoll gibt es auch noch den Vermerk einer Polizistin. Sie notierte: „Kevin will nicht zu seinem Vater, weil der so oft ausrastet.“

Die Staatsanwältin hat an den Aussagen der Zeuginnen keine Zweifel. „Das waren überzeugende Schilderungen“, stellt sie in ihrem Plädoyer fest. Der Angeklagte sei nicht in der Lage, den Willen des Kindes zu akzeptieren. Den Faustschlag gegen die Mutter wertet sie als vorsätzliche Körperverletzung. Und weil Peter W. auch noch eine der Zeuginnen am Tatort beschimpft hatte, soll er zusätzlich noch für eine Beleidigung belangt werden.

Die Anklagevertreterin fordert für den Hartz-IV-Empfänger eine Geldstrafe von insgesamt 780 Euro. Richter Michael Kasberg schließt sich diesen Forderungen an. „Sie scheinen jemand zu sein, der die Meinung von anderen nicht akzeptieren kann“, erklärt er Peter W. in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte tobt vor Wut. „Ich habe hier doch gar keine Chance“, motzt er den Richter an. Beim verlassen des Saales schmeißt Peter W. die Tür mit voller Wucht ins Schloss.

*Name geändert

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Kommentare (1)

Unabhängig, ob der Vater Recht oder nicht Recht hat wäre zumindest der Polizeivermerk von einem männlichen Polizisten nötig gewesen. Der männliche Richter kann nur auf weibliche Zeugenaussagen und Vermerk von weiblicher Polizistin entscheiden. Was wirklich den Jungen veranlasste an dem Tag nicht mit dem Vater zusammen zu sein bleibt im Dunkeln. Auch Kinder in sogenannten intakten Familienverhältnissen wollen z.B. mal nicht mit der Mutter einkaufen gehen oder am Wochenende wegfahren. Darauf entstehen aber keine Schlägereien der Eltern untereinander. Wichtig ist, dass Kinder von getrennt lebenden Eltern nicht ihre Lage ausnutzen und aus Faulheit oder Langeweile ein Elternteil ausgrenzen können. Dies gehört nicht zu den Rechten und Pflichten eines getrennt lebenden Kindes. Hier muss auch das andere Elternteil - am Besten gemeinsam - klare Grenzen setzen.