:

Vom „Großstadtrevier“ ins Haus des Gastes

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg DöbereinerDer Drehbuchautor Jan Schröter las als letzter Gast vor der Sommerpause bei „Texte und Tannine“. Was der ...

Drehbuch- und Romanautor Jan Schröter eroberte bei seinem ersten Gastspiel in Waren das überwiegend weibliche Publikum mit hanseatisch-trockenem Humor.  FOTO: Jörg Döbereiner

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Döbereiner

Der Drehbuchautor Jan Schröter las als letzter Gast vor der Sommerpause bei „Texte und Tannine“. Was der Hamburger aus seinem Roman vortrug, dürfte zum Witzigsten gehören, was in Waren in letzter Zeit zu hören war.

Waren.Unauffällig und zurückhaltend, so tritt Jan Schröter im Warener Haus des Gastes auf. Nicht in der ersten, sondern in der letzten Reihe nimmt er zu Beginn der Veranstaltung Platz und lauscht von dort den Wein-Empfehlungen Ronald Tischers, bis er selbst an der Reihe ist.
Im blauen Pullover und gestreiften Hemdkragen steht er dann am Lesepult, auf den Lippen stets ein feines Lächeln, das auf eine gehörige Portion hintergründigen Humor schließen lässt. Nach einem Kurzkrimi zum Aufwärmen geht Jan Schröter in die Vollen: Der langjährige Drehbuchautor der Vorabendserie „Großstadtrevier“ liest aus seinem Roman „Mogelpackung“, dessen Protagonist Fredo wie Schröter auch für das Fernsehen schreibt, und den es, wie den Autor, in eine schleswig-holsteinische Kleinstadt verschlägt.
„Hier gibt‘s nur Minderjährige, eine Mumie und einen Volltrottel“, so Fredos junger Neffe Tim über die etwas ungewöhnliche Wohnsituation, mit der der liebenswerte Anti-Held Fredo für ein Vierteljahr klarkommen muss: Gemeinsam mit zwei pubertierenden Jugendlichenund einer halb dementen Uromaim Haus des Banker-Bruders, da erlebt man was. Ob tiefgefrorene Schlaftabletten-Mäuse oder die martialische Unterbrechung eines spontanen Liebesspiels durch den Bio-Lehrer – Jan Schröters Lust am wortwitzigen Fabulieren und sein trockener Hanseaten-Humor, der umso pointierter knallt, sprechen aus jeder Zeile.
Weil er noch dazu ein mitreißender Erzähler ist, geht es den Zuhörern in Waren wie Fredo und seinem Schwarm: „Sie verausgabten sich in ungezügelten Heiterkeits-Eruptionen.“
Wie das bei „Texte und Tannine“ üblich ist, bekam das Publikum vor der Lesung auch wieder Wein-Tipps aus erster Hand. Ronald Tischer vom Warener „Wein Tango“ empfahl zu Spargelgerichten mittlere bis kräftige Weißweine, die mindestens zwei Jahre gereift sein sollten. Wer allerdings auchzum Spargel partout nicht auf Rotwein verzichten will, dem sollte ein 2009er Rioja mit wenig Tanninen munden.

Kontakt zum Autor
j.doebereiner@nordkurier.de