Festumzug 750 Jahre Penzlin:

Von den Germanen in die Gegenwart

Beim Penzliner Festumzug ist die halbe Stadt auf den Beinen und zeigt ihre Geschichte. Mehr als 600 Teilnehmer machen sich auf. Einer von ihnen ist Nordkurier-Mitarbeiter Jörg Döbereiner.

Keine Angst diese wilden Kerle sind eigentlich ganz lieb. Die Besucher aus Otterndorf sorgten für viel Vergnügen auf dem Festumzug.
Carsten Schönebeck Keine Angst diese wilden Kerle sind eigentlich ganz lieb. Die Besucher aus Otterndorf sorgten für viel Vergnügen auf dem Festumzug.

Morgens, halb zehn in Penzlin. Die Sonne scheint, es hat geschätzte 25 Grad - und ich schwitze unter einem zugeknöpften, olivgrünen Wintermantel. Das muss so sein, denn in dem Bild „Ende des zweiten Weltkriegs“ des Festumzugs zum Stadtjubiläum stelle ich einen von vier deutschen Soldaten dar. Meine „Kameraden“ treffe ich an den Garagen etwas unterhalb der Neubrandenburger Chaussee, unserem Treffpunkt. Sie kicken alle beim Penzliner SV, auch Frank Herrmann, dem sie wie mir einen langen Mantel verpasst haben, dazu schwarze Soldatenstiefel. „Wir haben extra unser Auswärtsspiel gegen Güstrow auf Freitag verlegt, damit wir beim Umzug dabei sein können“, sagt er.

Oben an der Straße bekommen wir Verstärkung. Der 73-jährige Günter Lehmkuhl trägt ebenfalls schwarze Stiefel, dazu einen grauen Frack und eine Armbinde, auf der steht „Deutscher Volkssturm - Wehrmacht“. Auf seiner linken Wange prangt eine aufgeschminkte Narbe, über der rechten Schulter baumelt der Karabiner. Neben ihm wartet Manfred Schulz in seiner braunen Cordhose darauf, dass es los geht. Der Penzliner hat die Plastik-Panzerfaust auf dem Rücken notdürftig mit einem Zweig getarnt.

Dann setzt sich der Zug in Bewegung, in Zweierreihen marschieren wir in Richtung Innenstadt. An beiden Seiten der Straße säumen Schaulustige mit Fotoapparaten und Fahnen den Weg. „Das sind so viele - wo kommen die denn alle her?“, fragt mein Vordermann ungläubig. Die Leute winken, wir grüßen zurück.

Auch der Wintermantel fordert seinen Tribut. Als wir vor der Haupttribüne ankommen, auf der Michael Baaß und Uwe Goldenbaum alle Bilder kommentieren, ist unser kleiner Trupp schon komplett durchgeschwitzt. Nur zu gern greifen wir nach den Plastikbechern mit Wasser, die einige gute Seelen vor dem Amt Penzliner Land verteilen. Etwas besser haben es da unsere russischen Kollegen. Die sitzen hinter uns auf einem echten sowjetischen Oldtimer-Transporter und lassen die Wodkaflaschen kreisen. Zumindest in manchen befindet sich an diesem warmen Tag aber auch Wasser. Ein paar Meter hinter uns feiern die Gäste aus der Partnerstadt Otterndorf auf ihrem mit Girlanden geschmückten Wagen. Insgesamt 60 Personen stark ist ihre Delegation, mit der sie Penzlin die Ehre erweisen. Sie führen mit ihrer Germanen-Gruppe auch den Zug an, der chronologisch angeordnet ist und in der Moderne endet.

Im Schatten neben der Straße hat sich „Trümmerfrau“ Helga Brunckow mit ihren verkleideten Kolleginnen von der Stadtverwaltung niedergelassen. Was sie sagt, hört man an diesem Tag überall in Penzlin: Der Umzug hat sich zweifellos gelohnt. „So viel Publikum, so viel Begeisterung!“

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