Handbiker beim schwersten Radrennen der Welt :

Wahnsinn! Handbiker knackt Rekordmarke

Er hat es geschafft, Volker Klemmer hat's geschafft! Er hat die Bestmarke getoppt - beim schwersten Radrennen der Welt, das der Vipperower im Handbike absolvierte. 

Volker Klemmer mit einem Foto, das ihn beim Rennen in Norwegen zeigt. Sicherheitshalber hatte er zwei Liegebikes dabei, eines brauchte er nur - weil es keine Pannen gab.
Enders Volker Klemmer mit einem Foto, das ihn beim Rennen in Norwegen zeigt. Sicherheitshalber hatte er zwei Liegebikes dabei, eines brauchte er nur - weil es keine Pannen gab.

 Einige halten ihn für verrückt, andere für wahnsinnig. Volker Klemmer ist nichts von beidem. Aber er ist Sportler mit Leib und Seele. Seit einem Arbeitsunfall vor fast 20 Jahren querschnittsgelähmt, hat er sich dem Handbiken verschrieben. Mit seinem Liegefahrrad ist er fast täglich in der Region unterwegs. Auf allen Straßen und Radwegen ist er zu Hause. Nun hat es ihn nach Norwegen verschlagen. Zum zweiten Mal zu einem Radrennen, das als schwerstes der Welt gilt. Von Trondheim nach Oslo über 542 Kilometer führte die Tour.

Eine Widrigkeit gab es allerdings noch, die das ganze Unterfangen fast scheitern ließ. Gemeinsam mit Sohn Stefan (35), einem Triathleten, der im „normalen“ Fahrrad die Tour antrat, hatten sich die beiden auf den Weg nach Berlin-Schönefeld gemacht. Sonnabend war das Rennen, Abflug am Donnerstag. Doch ein Streik machte den Reisenden einen Strich durch die Rechnung. Schnellstmöglichst musste mit dem ICE nach Hamburg gedüst werden, von dort in den Flieger. Freitag um 15 Uhr waren die Vipperower schließlich im Hotel in Trondheim. Zeitig am Sonnabend ging es auf Tour.

 Nach 362 Kilometern angestrengten Radelns bei Lillehammer legte das Team – der zweite Sohn Christian (32) war mit dem Begleitfahrzeug dabei – die erste Pause  ein. Zur Nacht wollte sich der Vater doch etwas wärmer anziehen. „Ich bin aber im Bike geblieben, nur kurz Flaschen wechseln, Klamotten wechseln, alles in 15 Minuten“, spricht Volker Klemmer vom verordneten Stopp. „Dann ging‘s durch die Nacht, Baustellen...“, beschreibt er die Wegstrecke, die von der Topografie her gleich zu Beginn alles abverlangte. Eine extreme Steigung, die Volker Klemmer aber mit Bravour nahm. Irgendwann las er das Schild: Ende in fünf Kilometern. Jetzt wollte er es wissen - und nicht nur das: Er wollte den Rekord, von Anfang an. Dafür war er angetreten, dafür hatte er monatelang hart trainiert, dafür hatte er die Kosten auf sich genommen, die Strapazen... „Ich wollte irgendwas unter 24 Stunden schaffen“, gesteht Volker Klemmer. Die Bestmarke hatte ein paar Jahre zuvor ein Handbiker aus Heidelberg aufgestellt mit 25 Stunden und elf Minuten.

Als er die Ziellinie überquerte, glaubte er es noch nicht. „Ich machte weiter Stoff. Mein Sohn sagte mir, Du kannst aufhören, ich konnte gar nicht, war voll mit Adrenalin.“ Und Volker Klemmer sollte sich selber toppen. Nix mit 24! 23 Stunden und 39 Sekunden lautet das Endresultat. Wahnsinn! Volker Klemmer selbst ist glücklich – nur die 39 Sekunden wurmen ihn ein bisschen. „Beinahe hätte ich eine 22er-Zeit gefahren“, sagt er mit athletischem Ehrgeiz. Aber noch ist nicht aller Tage Abend – wenngleich er den Erfolg erstmal genießen will. Die nächste Anfrage wurde schon an ihn herangetragen, ob er bei einem Europa-Rennen dabei sein möchte. Oder in Florida, wo eine andere Bestmarke zu toppen ist. Es kribbelt schon wieder in den Fingern.

Und wenn es Sponsoren geben würde, würde ihm die Entscheidung sicher leichter über die Lippen kommen. Doch so fressen ihn die Kosten auf. Deshalb: „Ich trainiere erstmal auf Sparflamme, halte mich weiter fit“, will er nichts ausschließen.

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