Bahnhof barrierefrei:

Waren beschließt Jahrhundertlösung

Den durch Land und Eisenbahnbundesamt vorgegebenen Zeitdruck im Nacken, mussten die Stadtvertreter am Dienstagabend einen richtungsweisenden Beschluss fassen. Parallel ziehen am Horizont andere dunkle Wolken auf.

Jetzt sollen es Rampen und Fahrstuhl richten - auch der Bahnhof Waren soll barrierefrei umgebaut werden.
Nadine Schuldt Jetzt sollen es Rampen und Fahrstuhl richten - auch der Bahnhof Waren soll barrierefrei umgebaut werden.

Bürgermeister und Bauamtsleiter machten keinen Hehl daraus, dass bis kurz vor Sitzungsbeginn um 18 Uhr noch Telefondrähte geglüht hatten und Mails hin- und hergeschickt worden waren. „Wir haben mit dem Land, dem Eisenbahnbundesamt und der Stadt drei Spieler auf dem Feld – das macht die Abstimmung schwierig. Doch jetzt bietet sich eine große Chance, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten – diese Chance kommt für Jahrzehnte nicht wieder“, warben Norbert Möller und Gunter Lüdde für die kombinierte Lösung aus Rampe und Treppe (Tunnelausgang Bahnhofsvorplatz), Fahrstuhl (Tunnelausgang Teterower Straße) sowie Rampen zur Erreichung der Gleise 2 und 3.

Letztere hatte das Eisenbahnbundesamt zugesichert, so bald die Stadt Waren die Tunnelzugänge barrierefrei gestaltet. Und genau dies beschloss die Stadtvertretung am Dienstag bei einer Gegenstimme (Toralf Schnur, FDP). Der hatte gewarnt, dass die Investitionskosten erstens zu hoch („Das überfordert uns als Stadt finanziell“) und zweitens nicht rechtens seien, da keine – und das sieht die doppische Haushaltsführung gesetzlich vor – Folge- und Unterhaltungskosten aufgelistet seien.

2,5 Millionen Euro Kosten

Bei der jetzt abgesegneten Rampen-Fahrstuhl-Lösung müsste die Stadt Waren eine Million Euro zahlen, 1,5 Millionen Euro würde das Land als Fördergeld beisteuern. Allerdings drohen weitere Kosten auf die Stadt zu zu kommen. Im „worst case“ (Gunter Lüdde) müsste die Stadt 200 000 Euro Fördergelder zurückzahlen, die sie im Zuge der Sanierung des Bahnhofsvorplatzes vor wenigen Jahren aus EFRE-Mitteln vom Wirtschaftsministerium kassiert hatte.

Hintergrund: Diese Gelder befinden sich noch in der „Fördermittelbindungsfrist“. Heißt: Bei einer Rampenlösung am Bahnhofsvorplatz müssten Teile des sanierten Areals aufgebuddelt werden, die seinerzeit vom Land gefördert wurden. Dies könnte zu einem Rechtsstreit zwischen Land und Stadt führen. "In Anbetracht der Jahrhundertlösung, die wir jetzt auf den Weg bringen können, sollten wir dieses Risiko eingehen", appellierte Volker Seemann (SPD).

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