Stadt gibt Verlag Schuld:

Waren lässt Adressbuch untergehen

Das hat Konsequenzen. Bürgermeister Möller forderte am Mittwoch Rapport von den Mitarbeitern der Behörden in seinem Haus, die am Adressbuch mitgewirkt haben. Das aktuelle, das die Datenpanne beheben sollte, ist wieder voller Fehler. Die Stadt sieht die Hauptschuld aber beim Verlag.

Es sollte helfen, die Müritzstadt in einem neuen Licht darzustellen, das Adressbuch. Statt dessen hat es Warens Image mächtig geschadet. Nun werden alle weiteren Pläne für eine Neuauflage versenkt.
NK-Montage mit Foto: Norman Reuter Es sollte helfen, die Müritzstadt in einem neuen Licht darzustellen, das Adressbuch. Statt dessen hat es Warens Image mächtig geschadet. Nun werden alle weiteren Pläne für eine Neuauflage versenkt.

Aus und vorbei! „Es wird kein neues Adressbuch für Waren geben.“ Dietmar Henkel ist entschlossen. Am Montag Krisensitzung mit dem Verwaltungschef Norbert Möller. Und am Mittwoch seien so viele der 4000 fehlerhaften Exemplare wie möglich eingesammelt worden. „Die falschen Daten im Adressbuch bedeuten so einen enormen Imageschaden für die Stadt. Den kann man kaum wieder gut machen. Das ist ärgerlich. Das tut weh“, sagte der Chef des Amtes für Bürgerdienste.

Doch wenngleich es vor zwei Jahren mit der Datenpanne schon mal mächtig schief gelaufen und die Stadt arg in die Kritik geraten war – diesmal trage die Verwaltung nicht die gesamte Schuld. Das habe man sogar schriftlich. Denn 99 Prozent am Misslingen der neuen Auflage der Adressen-Broschüre liege beim Städte-Verlag mit Sitz im schwäbischen Fellbach.

Extra-Recherchen führen zu Fehlern

Das sieht man dort nicht anders, bestätige Tanja Feistritzer aus dem Verlags-Vertrieb am Mittwoch auf Nachfrage: „Die Stadt Waren hat mit dem Problem nichts zu tun. Das ist natürlich für die Kommune, aber auch für uns oberpeinlich. Aber wir können uns leider im Moment auch nicht ganz erklären, wie das zustande gekommen ist und wahrscheinlich auch in den nächsten Tagen nicht.“ Die Kommunen würden für das Buch zwar registrierte Gewerbetreibende mit angeben, nicht aber Freiberufler. Es sei im Verlag aber seit Jahren Standard, die Freiberufler wegen der Ausgewogenheit durch eigene Recherche im Internet oder in „mitunter leider auch veralteten Telefonbüchern“ zu ergänzen.

Dietmar Henkel und seine Kollegen brüteten unterdessen seit zwei Tagen über rund 1600 Adressen aus dem Datenstamm, den sie per CD ins Schwabenland geschickt hatten. Wo hatten sich Fehler eingeschlichen – und vor allem wie? Laut PC musste das meiste korrekt gelaufen sein. Aufgeflogen war die erneute Panne, weil ein Bürger sich verärgert an die Stadt gewandt hatte. Er habe den Eintrag so nicht gewollt. Und war nicht der Einzige. „Wir können aber nicht beeinflussen, wenn ein Gewerbetreibender seinen Laden dicht macht, sich aber nicht abmeldet, weil er im Internet weiterhin verkauft“, sagt der Bürgerdienstler.

Das alles wäre vielleicht nicht geschehen, wenn der Verlag der Warener Verwaltung schon mal vor dem Druck einen Blick in das Machwerk gewährt hätte. Musste er aber nicht – laut Vertrag, den 2011 Ex-Stadtchef Günter Rhein unterschrieben hat. Ebenso wie seinerzeit die ersten Exemplare eingestampft wurden, soll das nun mit den neuen geschehen.

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