Tradition:

Warenener Gänseverlosung - gnadenlos, aber mit Humor

Da wird eine Familie satt: Jeweils über vier Kilo brachten die Gänse auf die Waage, die auf dem Neuen Markt in Waren verlost wurden. Eine Gaudi mit gutem Geschmack.

Na, textsicher? Bevor Warens scheidender Bürgermeister Günter Rhein (SPD) mit der alljährlichen Gänse-Verlosung begann, sangen alle gemeinsam auf dem Neuen Markt ein Weihnachtslied.
Petra Konermann Na, textsicher? Bevor Warens scheidender Bürgermeister Günter Rhein (SPD) mit der alljährlichen Gänse-Verlosung begann, sangen alle gemeinsam auf dem Neuen Markt ein Weihnachtslied.

„Wo sind denn nun die Gänse?“, fragte Warens Noch-Bürgermeister Günter Rhein, und der Himmel schickte prompt eine Antwort: Wildgänse zogen in exakter Formation über den Neuen Markt hinweg. Während die wilden Vertreter ihrer Gattung nach Süden flogen, waren all die anderen Gänse unten auf Warens zentralem Platz schon in einem anderen Zustand – im tiefgefrorenen. Bratfertig also, und so wollten es die Wartenden, die an der Gänseverlosung des Warener Innenstadtvereins teilnahmen. Eine lebende Gans aber gab es dann doch noch, die lautstark ihren Kommentar abgab: Pünktlich zum Start der Verlosung machte sie wie auf Verabredung zwei Mal „Gack, gack“ und hatte damit ihren Auftritt beendet. Dann standen die jeweils 4,5 Kilogramm schweren „Kolleginnen“ im Mittelpunkt.

Nur ein einziges Mal übrigens musste Rhein in der 15-jährigen Geschichte der Warener Gänseverlosung einem anderen den Vortritt lassen, als es darum ging, Glücksfee für die Warener zu spielen. Damals hatte Jürgen Seidel, einst Landrat des Müritzkreises, die Teilnehmerkarten aus dem Lostopf gezogen. „Dann haben sie mich wieder geholt“, schmunzelte Rhein, dem es sichtlich Freude bereitete, für den Weihnachtsbraten seiner Warener zu sorgen.

100 Gänse hatten Unternehmen und Privatpersonen auf Initiative des Warener Innenstadtvereins gespendet. Nur wer in der Vorweihnachtszeit in der Innenstadt einkaufen war, dort insgesamt rund 20 Euro in zwei verschiedenen Geschäften gelassen hatte und sich registrieren ließ, nur der konnte am Sonnabend auf eine Gans hoffen. Jasmin Leddermann aus Schmachthagen war eine der ersten, die das Losglück traf. „Ich freue mich ganz doll über die Gans. Ich habe das erste Mal teilgenommen und gleich gewonnen, das ist doch super“, sagte die junge Frau. Mehr als eine Stunde harrte Rita Ebel aus – hoffend auf ihren Weihnachtsbraten. Die allerletzte und damit 100. Gans bekam sie dann ab. „Da hat sich das Warten aber mal wirklich gelohnt“, meinte die Warenerin, die zum ersten Mal ihre Teilnehmerkarte abgegeben hatte.

Als Bürgermeister Rhein endlich alle Gänse an den Mann oder die Frau gebracht hatte, war klar: Auch im nächsten Jahr wird er wohl der Gänse-Verloser bleiben - schließlich wurde er am Sonnabend zum Ehrenmitglied des Warener Innenstadtvereins ernannt. Das ist nur logisch, denn wie kein anderer kennt er seine Warener „Schäfchen“, er weiß, wer zum wem gehört und wer vielleicht schon eine Gans abbekommen hatte. Wer bei der Verlosung also schummelte und seinen Namen mehrfach in den Lostopf geworfen hatte, wurde von Günter Rhein aussortiert – gnadenlos, aber dennoch mit Humor.

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