Ausbildung:

Warener Produktionsschule schlägt lauten Alarm

Weil das Bildungsministerium in Schwerin plötzlich auf die Einhaltung von Paragrafen pocht, fürchten Pädagogen eine noch höhere Zahl von Jugendlichen in der Müritzregion, die sich der Ausbildung verweigern.

Der Chef der Produktionsschule in Waren, Holger Kiehn, ist stolz auf Schüler wie Jennifer Stiburek. Nicht nur wegen der leckeren Bouletten, die in der Küche gebrutzelt werden.
Thomas Beigang Der Chef der Produktionsschule in Waren, Holger Kiehn, ist stolz auf Schüler wie Jennifer Stiburek. Nicht nur wegen der leckeren Bouletten, die in der Küche gebrutzelt werden.

Kochen, Sägen und Hämmern. Geschirr klappert, aus der Gärtnerei tönt Musik. Alltagsgeräusche in der Warener Produktionsschule, wo über 60 Jugendliche und junge Leute, alles ehemalige Schulverweigerer und Lehrabbrecher, nicht nur ihren Hauptschulabschluss machen können, sondern auch in verschiedene Berufe "hineinschnuppern" sollen. Aber Holger Kiehn, Leiter der Schule in Gewerbegebiet Waren-Ost, hört auch ganz andere Töne. Und die klingen in seinen Ohren alles andere als gut.

"Jugendliche unter 18 Jahren sollen jetzt ohne Ausnahme eine Berufsschule besuchen", so Kiehn. Zwar wäre so dem Gesetz genüge getan, in Mecklenburg-Vorpommern gilt Berufsschulpflicht für Jugendliche. In der Vergangenheit seien aber immer wieder Ausnahmen zugelassen worden. "Eltern konnten einen Antrag auf Befreiung stellen."  Immer dann, wenn sie nachweisen konnten, dass es eine andere Art der "Beschulung" gibt, die für ihre Kinder erfolgversprechender erscheint. "Es gab immer einen Ermessensspielraum", so Schulleiter Kiehn.

Keine Möglichkeit auf einen Schulabschluss

Damit soll jetzt aber Schluss ein, ohne Ausnahme sollen die 15- bis 18-Jährigen die Berufsschule besuchen. "Selbst wenn sie dort nur zwei Tage in der Woche erscheinen." Damit hätten, so Kiehn weiter, viele Jugendliche jedoch keine Möglichkeit auf einen Schulabschluss. "In der Produktionsschule stellen sich aber rund 40 von 60 Schülern jedes Jahr der Prüfung und erringen wenigstens den Hauptschulabschluss." Und solche Absolventen, weiß Kiehn, haben viel bessere Chancen auf eine Lehrstelle. "Die Firmen nehmen doch lieber so einen oder so eine." Wer seine Tage an der Berufsschule nur absitze, gilt bei vielen Unternehmen als nicht ausbildungsreif.

Die Zahl der Fürsprecher der Ausbildung an der Produktionsschule wächst, die Kritik an der Praxis der Schulämter wächst. Schon hat sich der Jugendhilfeausschuss des Kreistages auf die Seite der Produktionsschüler geschlagen und harte Auseinandersetzungen mit dem Bildungsministerium in Schwerin angekündigt. Schulleiter Kiehn hat Bundes- und Landtagsabgeordnete informiert und gebeten, sich für "seine" Schüler einzusetzen.

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