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Warum die Warener ihr Geld Indien bringen sollen

Die Feuerwehr stand eigentlich nicht auf der Gästeliste. Doch die Müritz-Sparkasse schlägt bei ihrem Kundenforum Alarm. Erst mit einem Vortrag über Indien. Dann über eine Fehlfunktion des Feuermelders.

Olaf Ihlau erklärte den Warenern die Welt.
Carsten Schönebeck Olaf Ihlau erklärte den Warenern die Welt.

„Tut mir leid, dass ich so negativ ende“, sagt Olaf Ihlau zum Schluss seines Vortrages. Halb so schlimm. Den Appetit hat es wohl niemandem verschlagen, beim Kundenforum der Müritz-Sparkasse. Das Unternehmen hatte den Indien-Experten geladen, um ein bisschen Mumbai an die Müritz zu bringen. Und so begeistert sich der Wahl-Berliner von dem asiatischen Subkontinent zeigte, so sehr warnte er vor den Gefahren für Europa durch das aufstrebende Riesenland. Asien werde allein durch sein Bevölkerungswachstum schon bald das Zentrum der Menschheit werden. „Gerade als junger Mensch muss man sich über diese Entwicklung Sorgen machen“, so Ihlau im anschließenden Gespräch mit dem Nordkurier. Denn Europa werde es schwer haben, seinen Wohlstand und seine Werte zu verteidigen.

Den alarmierenden Worten folgte der echte Alarm. Der entpuppte sich allerdings als Fehlfunktion des Brandmelders. Die Kameraden der Warener Feuerwehr konnten unvermittelt wieder abziehen. Eine andere Panne hatte der Referent zu Beginn seines Vortrages korrigiert. Entgegen der Ankündigung der Müritz-Sparkasse sei er gar kein Professor. „Und meinen Doktortitel habe ich damals auch nur gemacht, um die Bürgerlichen zu beeindrucken.“ Das gelang ihm am Donnerstagabend allerdings auch mit seinem Vortrag der verdeutlichen sollte, wie sehr Indien trotz aller Probleme zur Weltmacht aufsteigt.

Die bittere Armut großer Bevölkerungsteile ändere nichts an der enormen Wirtschaftskraft des Landes. „Indien ist in vielen Technologiebereichen führend in der Welt“, so Ihlau. Für Computersoftware, Pharmazie und Medizin gebe es keinen besseren Standort. Das Land strebe an, die „Supermacht des Wissens“ zu werden.

Olaf Ihlau kennt Indien seit mehr als 30 Jahren. Als Auslandskorrespondent der Süddeutschen Zeitung kam er Ende der 70er Jahre in das Land. Lebte und arbeitete sieben Jahre lang dort. Seitdem hat er den Staat regelmäßig besucht, kennt Politik, Land und Leute. Die Europäer würden verkennen, dass Indien eine gewachsene Demokratie sei. „Für uns wirkt die Vielfalt der Bevölkerung wie ein brodelndes Durcheinander. Doch im Gegensatz zu China ist Indien gefestigt“, so der Experte. Überhaupt: Den Vergleich mit China brauche das Land nicht scheuen. Wirtschaftlich liege man zwar noch zurück. „Aber Indien holt auf und das immer rasanter.“

Und was bedeutet das nun für die Müritz-Region und die geladenen Gäste der Sparkasse? Auch das verriet Ihlau im anschließenden Gespräch. „Wenn sie Geld übrig haben, um es anzulegen, dann kann ich Indien nur empfehlen“, antwortet er schmunzelnd.

Aus den Schwerigkeiten des Landes und seiner 1,2 Milliarden Einwohner machte Ihlau allerdings keinen Hehl: „Dort ticken soziale Zeitbomben.“ Ein Drittel der Bevölkerung könne nicht lesen und die Versorgung mit Wasser und Elektrizität sei außerhalb der Großstädte keine Selbstverständlichkeit. Soziale Sicherungssysteme seien faktisch nicht vorhanden. „Das ist Marktwirtschaft in brachialer Form“, so Ihlau.

Und nun? Was könne Deutschland tun, um sich im Wettbewerb zu behaupten? „Mehr Europa“, so die Antwort des Experten. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Staatenbund lähme die Entwicklung des „alten Kontinents“. Da seien die jungen Leute gefragt. „Wenn sie es nicht schaffen, die europäische Idee weiter zu bringen, dann enden wir als zivilisatorisches Museum.“

 

Kommentare (1)

Solche Vorträge kommen raus, wenn man unter GeoPolitik nur FinanzPolitik versteht. Und somit ein Land featured ob seines großen ökonomischen Potentials. Was ist eine Demokratie in seinen Augen? Ein Land mit solchem sozialen Elend, brutaler Frauenunterdrückung, verweigerten Bildungs-Chancen, einem seit Hunderten von Jahren unangetastetem Kasten-Wesen? Alles eine prima Geld-Anlage