Jäger erschießt Hündin:

Warum musste „Strudel“ sterben?

"Strudel" war auf dem Ferienhof der Kosins in Schloen der Liebling der Kinder. "Ein absolut friedlicher Familienhund", beteuert der Besitzer. Ein Jäger sah das wohl etwas anders und tötete den tapsigen Vierbeiner.

Auf „Sabines Bauernhof“ in Schloen, den Kosin mit seiner Frau betriebt, war die Hündin mit dem hellbraunen Kuschelfell der Liebling der Gäste.
Alexander Kosin Auf „Sabines Bauernhof“ in Schloen, den Kosin mit seiner Frau betriebt, war die Hündin mit dem hellbraunen Kuschelfell der Liebling der Gäste.

Bärenhündin „Strudel“ lag zwischen Brennnesseln an einem Weiher. Erschossen. „Der Einschuss war auf Herzhöhe. Sie musste wenigstens nicht leiden“, erzählt Alexander Kosin und schluckt. Das plattgedrückte Gras rund um die Fundstelle ist für Kosin ein Indiz, dass der Schütze die tote Hündin dort hingeschleift und abgelegt hatte. „Sie wurde kaltblütig abgeknallt und dann entsorgt wie ein Stück Dreck“, sagt der große und kräftig gebaute Mann. Er kämpft mit den Tränen. Auf „Sabines Bauernhof“ in Schloen, den Kosin mit seiner Frau betriebt, war die Hündin mit dem hellbraunen Kuschelfell der Liebling der Gäste. „Sie war sehr tapsig. Ein Hund zum Knuddeln“, erzählt Kosin und zeigt Handybilder von „Strudel“. Die Urlauberkinder spielten auf der Wiese mit ihr und machten zusammen mit dem Tier Mittagsschlaf.

Getötet wurde der Hund am Montagabend von einem Jäger – gerade einmal rund 400 Meter entfernt vom Ferien-Bauernhof.  „Strudel“ habe Urlaubsgäste begleitet, schildert der Landwirt, und müsse dann wohl einen Abstecher auf das nahegelegene Maisfeld unternommen haben, wo an diesem Abend auch zwei Jäger aus der nähren Umgebung unterwegs waren. Einer der beiden Waidmänner drückte ab. „Das war eine absolut sinnlose Aktion“, findet Alexander Kosin.

Jäger muss Situation vor dem Schuss beurteilen

Generell verboten ist Jägern der Abschuss von freilaufenden Hunden nicht. „Der Jäger darf aber nicht einfach anlegen und schießen. Er muss die Situation vorher beurteilen“, erklärt ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Laut Landes-Jagdgesetz dürfen freilaufende Hunde getötet werden, wenn sie Wild aufsuchen oder verfolgen und außerhalb der Einwirkung ihres Führers angetroffen werden.

Auf diesen Passus im Gesetz beriefen sich auch die beiden Jäger in einem persönlichen Gespräch mit den Kosins. „,Strudel‘ soll angeblich ein Stück Wild im Maul gehabt haben“, erzählt Kosin. Er bezweifelt die Version der Waidmänner. „Ich hatte ihr ins Maul geschaut, da waren keine Wildreste zu sehen.“ Mit ihren 65 Kilogramm sei seine Hündin auch gar nicht in der Lage gewesen, Rehe oder Hasen zu jagen.

Der Jäger wollte sich zu dem Vorfall gegenüber dem Nordkurier nicht äußern. Alexander Kosin hat bei der Polizei Anzeige erstattet und die untere Jagdbehörde sowie das Veterinäramt informiert. „Solchen Leuten gehört das Handwerk gelegt“, findet er. Besonders mitgenommen habe ihn, dass der Jäger den toten Hund nicht begraben hatte. Kosin selbst brachte es nicht übers Herz, das erschossene Tier zu bestatten. „Das war zu emotional. Ich habe es einfach nicht geschafft.“

Am Mittwoch war der Kadaver von „Strudel“ verschwunden. Vermutlich hatte sich der Jäger doch noch darum gekümmert. An der Fundstelle war ein kleiner Haufen aus Feldsteinen errichtet worden, in dem ein Ast steckte. „Ich werde Blumen vorbeibringen“, sagt Alexander Kosin.

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Kommentare (4)

Der Halter hat Sorge zu tragen,dass er seinen Hund nicht aus dem Auge verliert. Das Jagdgesetz gibt den Abschuss frei,wenn sich Tiere unbegleitet in einem bestimmten Abstand aufhalten. Ich weiß nicht,was der Halter bei den Behörden anzeigen will. Wer sich ein Tier hält,muss auch darauf aufpassen.

Sagen Sie mal, Herr Schubert, was sind Sie eigentlich für ein armseeliger Mensch? Sie sind wohl auch der Meinung, daß Ihnen als Jäger die Natur und Tiere ganz allein gehören, nicht wahr? Und wahrscheinlich sind Sie auch noch der Meinung, daß nur Jagdhunde von Jägern, die mit fürchterlichsten Methoden extra dazu ausgebildet wurden, Tieren nachzustellen, frei herumlaufen dürfen? Und alle anderen Hunde sollten Ihrer Meinung nach wohl an einer Kette von einem Meter leben? Zitat: "Der Halter hat selber Schuld"? Wer bitteschön hat denn den Hund zusammengeschossen? Ja und wo ist denn das Stück Wild geblieben, welches er angeblich im Maul gehabt haben soll? Sollte es sich mal wieder um die altbekannten "virtuellen Wildstückchen" handeln, die Jäger zum Haustiere abballern animieren?

Bei dem Klüngel dürfte diesem Jäger wieder nichts passieren. Die Jäger können sich ruhig auf das Jagdgesetz berufen. Sie müssen dennoch den Verhältnismässigkeitsgrundsatz beachten der bei staatlichen Eingriffen (durch das Jagdgesetz) in Rechte Dritter zu einer Beweislastumkehr führen. Können sie keine Wilderei des Hundes nachweisen (gerissenes Stück) müßten sie nach geltendem Recht wegen Verstoßt gegen das Tierschutzgesetz §17 dran sein. Abgesehen davon ist der entsprechende Paragraph im Jagdgesetz verfassungswidrig da nach GG Artikel 14 Absatz 3 kein Schadensersatz geregelt ist. Mit Grundrechtsverletzungen durch Jäger und Justiz schein man sich in diesem Bundesland bestens auszukennen wenn ein Generalstaatsanwalt und eine Justizministerin mit Jägern auf Kuschelkurs ist

Wieso gilt in solchen Fällen nicht das Prinzip "Im Zweifel für das Opfer" und der Jäger muss nachweisen dass der Hund wirklich gewildert hat? Heutzutage dürfte doch selbst dieser Jäger ein Handy mit Fotofunktion besitzen und hätte ein Beweisfoto von dem Hund mit den angeblich im Maul vorhandenen Wildresten aufnehmen können. Und wieso wurde der Hund dann doch vom Jäger begraben ... vielleicht um noch eventuell vorhandene Beweise zu beseitigen?