Sorge um Wasserqualität:

Weniger Schilf an der Müritz?

Vor kurzem meldete sich beim "Heißen Draht" der Heimatzeitung ein Leser, der an der Müritz einen Rückgang des Schilfgürtels beobachtet haben wollte - und um die Wasserqualität des größten deutschen Binnensees fürchtete. Wir haben bei einigen Experten nachgefragt.

So sah der Schilfgürtel im Jahr 2007 aus. Vergleichbare aktuellere Aufnahmen standen bei Redaktionsschluss nicht zur Verfügung.
Müritz-Nationalpark So sah der Schilfgürtel im Jahr 2007 aus. Vergleichbare aktuellere Aufnahmen standen bei Redaktionsschluss nicht zur Verfügung.

Gibt es tatsächlich merklich weniger Schilf an der Müritz? Hat sich womöglich sogar die Wasserqualität verschlechtert? Die Beobachtung unseres Lesers wirft zunächst einmal die Frage auf, ob von der Menge an Schilf so einfach auf die Wasserqualität geschlossen werden darf. „Jein“, ist die Antwort von Ulrich Meßner, dem Leiter des Müritz-Nationalparks. Die Sache sei gar nicht so einfach, erklärt er. Wenn der See besonders sauber ist, also wenig Nährstoffe vorhanden sind, bedeutet das auch wenig Wachstum für das Schilf. Fehlendes Schilf ist so gesehen ein Zeichen für besonders gute Wasserqualität. Wird ein See etwa durch eingeleiteten Dünger verschmutzt, steigt damit auch der Nährstoffgehalt - und das Schilf gedeiht zunächst prächtig. Doch nur bis zu einem gewissen Punkt. Irgendwann wächst das Schilf so hoch, dass es unter seiner eigenen Last zusammenbricht. Dann ersetzen es andere Pflanzen, die den hohen Nährstoffgehalt besser vertragen, zum Beispiel der Rohrkolben. 

Derzeit überwacht der Müritz-Nationalpark zwar regelmäßig den Pegelstand ausgewählter Seen. Und auch eigene Maßnahmen, wie die erneute Bewässerung ehemaliger Moor-Gebiete, werden genau beobachtet. Doch auf den Schilf-Bewuchs hin werden Gewässer bisher nicht überwacht. „Dazu fehlen uns einfach die Ressourcen“, sagt Ulrich Meßner. Bei der Müritz verlasse man sich auf Messungen des Umweltministeriums. Die Wasserqualität anderer Seen im Nationalpark würde über ein Seen-Kataster erfasst. „Wir stehen hier im fachlichen Austausch mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern.“

In Sachen Müritz-Schilf ist sich der gelernte Biologe Ulrich Meßner dank persönlicher Beobachtungen aber sicher: „Was das Schilf angeht, geht es der Müritz gut.“ Am Ostufer, wo die größten Schilfbestände der Müritz stehen, sei der Wasserschilfbestand in den letzten zehn bis 15 Jahren nahezu beständig geblieben. Der Eindruck unseres Lesers, der vor allem am Westufer weniger Schilf vermutet, muss deshalb aber nicht falsch sein. „Wellenschlag kann eine Rolle spielen“, so Ulrich Meßners Erklärung. Wenn etwa in einem Bereich des Sees reger Bootsverkehr herrsche, könne dort durch die starke Wasserbewegung Schilf geknickt werden. Über die Wasserqualität sage das aber nichts aus.

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