Vergessenes Gemäuer:

Wer küsst dieses Schloss endlich wach?

Den Anwohnern aus Varchentin tut es in der Seele weh. Das Schmuckstück des Dorfes verblasst immer mehr. Wer zieht hier die Notbremse?

Muss die Schlossstraße bald in Ruinenstraße umgetauft werden?
Elke Enders Muss die Schlossstraße bald in Ruinenstraße umgetauft werden?

Böse Zungen behaupten, auch Ruinen hätten ihren Charme. Und: Schön und modern gibt‘s schon! Wie schrieb vor geraumer Zeit ein Urlauber aus Hamburg im Internet: „Wer das Marode und Unrenovierte liebt, und wer gern noch ein bisschen Ruinencharme der DDR miterleben möchte, dem kann man einen Abstecher zum Schloss Varchentin empfehlen...“ Ja, es ist zeitweilig sogar zu vernehmen, dass gerade die Schlösser, die einen Dornröschenschlaf fristen, für Touristen von besonderer Anziehungskraft sind. Und das ist tatsächlich kein Scherz.  Liebhaber alter Gemäuer würden sich gezielt auf den Weg machen, um solche vergessenen Herrenhäuser in Augenschein zu nehmen.

Aber immer geht es auch darum, den Glamour von einst auf sich wirken zu lassen. Und immer keimt auch die Hoffnung, dass solche Ruinen nicht auf Dauer verlassen bleiben. In Varchentin allerdings scheint dieser Traum allmählich begraben. Jedenfalls, wenn man die Bewohner des Dorfes fragt. Zu lange schon stehe das Schloss-Ensemble leer. Und die Aurelia-Gruppe, die eigentlich große Pläne mit dem Objekt hatte, gibt unumwunden zu, dass sie von der beabsichtigten Umnutzung zum Hotel längst Abstand genommen habe, wie Presseverantwortliche Sabine Dierig schon mehrmals zu verstehen gab.

Bio-Produkte für die Küste

Lediglich für die Erzeugung hochwertiger landwirtschaftlicher Produkte würde das Gut Varchentin genutzt, um die Hotels an der Küste – im Kaiserbad Heringsdorf – mit frischen Kräutern, Gemüse und Fleisch zu versorgen.

Dass unter dem Schloss eine heiße Sole schlummern soll, dass diese geothermisch Verwendung finden sollte, dass ein ganzer Wellness-Komplex Erholungssuchende in den Ort locken und Anwohnern Arbeit bringen sollte, all das ist mit dem verworfenen Umbau-Konzept vom Tisch. Wer wolle, könne das Haus kaufen, heißt es.

Wunder auf der anderen Seite

Und die Einwohner hoffen auf diesen berühmten Prinzen. Immer wieder wenden sich Varchentiner oder auch ehemalige Bewohner des Dorfes an den Nordkurier, mit der Bitte, dieses wunderbare Schloss nicht aus den Augen zu verlieren, auch wenn der Putz inzwischen trist und grau aussieht und bröckelt. Varchentin birgt einen Brillanten, der nur aufpoliert werden muss. Aber wer hat so viel Enthusiasmus, dass er sich dieses Schatzes annimmt?

Dass es noch Zeichen und Wunder gibt, zeigte sich auf der anderen Seite der Müritz, in Retzow. Hier fand sich nach Jahren des Stillstands ein Unternehmer aus Dänemark, der das Schloss mit viel Herzblut restauriert und auch den Anwohnern von Zeit zu Zeit Einblick gewährt.

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