Experten-Tipp:

Wie enttarnt man ein Apfel-Ufo?

Berlepsch, Cox Orange oder auch Geflammter Kardinal – einen Apfel beim richtigen Namen zu nennen, ist gar nicht so einfach. Wie das geht, darüber hat Reporterin Petra Konermann mit dem Pomologen Otto Schmidt aus Neubrandenburg gesprochen, der beim Warener Apfelmarkt viel zu tun bekam.

Otto Schmidt, der sich selbst als Nachwuchs-Pomologe bezeichnet, mit den zwei Exemplaren der (noch) unbekannten Apfelsorte.
Petra Konermann Otto Schmidt, der sich selbst als Nachwuchs-Pomologe bezeichnet, mit den zwei Exemplaren der (noch) unbekannten Apfelsorte.

Haben Sie heute schon einen Apfel verspeist?

Natürlich, mehrere. Wenn man Äpfel bestimmt, wie hier auf dem Warener Apfelmarkt, gehört oft auch eine Geschmacksprobe dazu.

 Haben Sie einen Lieblingsapfel?

Ja, den Geheimrat Breuhahn. Das ist eine alte Sorte, die sehr aromatisch ist. Es gibt Äpfel, die schmecken anfangs nach Apfel, dann strohig. Der Breuhahn nicht, der ist bis zum letzten Bissen köstlich. Mittlerweile steht diese Apfelsorte auch bei mir im Garten. 

Es gilt als schwierig, einen seltenen Apfel auf Anhieb zu bestimmen. Wie gelingt es Ihnen?

Dazu braucht es viel Erfahrung. Ich beschäftige mich erst seit rund zehn Jahren intensiv mit der Apfelkunde, mit 69 Jahren bin ich also erst Nachwuchs-Pomologe. Um einen Apfel zu bestimmen, muss man Merkmale wie Farbe, Größe, Stängel, Kerngehäuse, Blätter richtig einordnen. Es gibt aber auch Fachliteratur zum Nachschlagen. Und ich habe meine Kollegen Christa Hofmann und Walter König an meiner Seite. Das meiste kriegen wir raus. 

Sie haben jede Menge Beispiele für verschiedene Apfelsorten mitgebracht, alle sind beschriftet. Nur ein Apfel ist ohne Namen. Was hat es damit auf sich?

Das ist ein Ufo – ein Unbekanntes Fruchtobjekt. Den Apfel, ein riesiger Gelber, hat uns ein Mann hier auf den Warener Markt gebracht. Wir konnten nicht sagen, um welche Apfelsorte es sich handelt. Deshalb haben wir zwei Exemplare mal da behalten, um die kümmern wir uns später. Und falls wir die Sorte nicht bestimmen können, dann nehmen wir die Äpfel mit zur Jahrestagung der Pomologen. Da sind noch mehr Experten beisammen. Dann wissen wir bestimmt, was es mit dem Ufo auf sich hat.

Die Leute stehen bei Ihnen und Ihren Kollegen Schlange, um sich die Äpfel  bestimmen zu lassen. Kann man daraus schließen, dass sich mehr Menschen für Obst aus dem eigenen Garten interessieren?

Ja, ich denke, das ist so. Die Menschen achten mehr auf ihre Ernährung, darauf, wo ihr Obst herkommt. Vielleicht haben wir mit unserer Arbeit im Pomologen-Landesverband auch dazu beigetragen, dass das Interesse an alten Apfel- und Birnensorten wieder gestiegen ist. Allein in Deutschland gibt es rund 2000 verschiedene Apfelsorten. Das ist ein Schatz, der bewahrt werden kann, wenn die Leute in ihren Gärten wieder alte und seltene Sorten anbauen.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Äpfel?

Die hatte ich eigentlich schon immer, ich bin gelernter Gärtner, später habe ich dann im Obstbau Neubrandenburg gearbeitet. Durch den Pomologen Walter König bin ich dann „infiziert“ worden, mich noch mehr mit den Apfelsorten zu beschäftigen.

Und bei Ihnen gibt es jeden Tag Äpfel?

Ja, ein Apfel am Tag und man muss nicht zum Arzt. Das ist so. Aber ehrlich – ich esse auch gerne ein Schnitzel. 

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