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Wie geht es dem Brunnenwasser?

Gleich bei mehreren Proben aus privaten Brunnen wurde festgestellt, dass die Nitratanteile weit über den Grenzwerten liegen. Gibt es eigentlich die Hoffnung, dass das Problem gebannt wird?

Harald Gülzow nimmt auch selbst Analysen im Labormobil vor. Tests im Raum Röbel haben zum Teil stark erhöhte Nitratwerte in Brunnenwasser ergeben.
Harald Gülzow Harald Gülzow nimmt auch selbst Analysen im Labormobil vor. Tests im Raum Röbel haben zum Teil stark erhöhte Nitratwerte in Brunnenwasser ergeben.

Die Nachricht von zu hohen Nitrat-Belastungen im Brunnenwasser im Raum Röbel hat für viel Verunsicherung unter Einwohnern und Kleingärtnern gesorgt. Wie aussagekräftig und vor allem langlebig sind diese Werte? Ist es möglich, dass sich die Belastung inzwischen verringert hat?

Man hat immer geringe Schwankungen im Grundwasser, aber wir müssen bei den festgestellten sehr hohen Konzentrationen von über 200 Milligramm pro Liter Nitrat davon ausgehen, dass uns diese Konzentrationen noch über viele Jahre Sorgen bereiten werden. Das Grundwasser hat wegen der fehlenden Abbauprozesse ein langes „Gedächtnis“.

Wer einen Brunnen gebohrt hat, wähnte sich auf der sicheren Seite, was teure Wasserrechnungen angeht. Nun kam das böse Erwachen. Für welche Zwecke lässt sich das Wasser, das laut Ihren Messungen belastet ist, überhaupt noch verwenden?

Unsere Untersuchungen im Juli deckten zwar die sehr hohen Nitratwerte in einigen privat genutzten Brunnen auf. Die gleiche Untersuchung zeigte aber auch, dass die Nitratkonzentration in zwei Drittel der untersuchten Brunnen unterhalb von 50 Milligramm pro Liter lag. Bei diesen Brunnen wird der Trinkwassergrenzwert für Nitrat eingehalten. Nur durch eine Untersuchung der einzelnen Brunnen kann man die Verwendungszwecke feststellen.

Welche Auswirkungen hat es gegebenenfalls auf die Trinkwasserqualität? Halten Sie es für möglich, dass früher oder später auch die Trinkwasserversorgung gefährdet ist?

Schon heute müssen viele Wasserversorger in Deutschland viel Geld investieren um tiefere Brunnen zu bohren, lange Leitungen zu legen, um aus entfernteren Regionen Wasser zu beziehen. Diese Kosten zahlt der Bürger mit seiner „Wasserrechnung“. Wenn wir nicht schnellstens die Grundwasserbelastungen in den Griff bekommen, werden auch tiefere Grundwasserleiter betroffen sein. Dann werden in der öffentlichen Wasserversorgung weitere Maßnahmen zur Aufbereitung notwendig werden. Dadurch wird der Preis weiter steigen. Das lebensnotwendige Wasser kann sich so zu einem teuren Gut entwickeln.

Man hört immer wieder, dass Brunnenwasser – vielleicht nicht ganz legal – auch für Toilettenspülungen, Waschmaschinen etc. genutzt wird. Welche Auswirkungen hätte es, wenn nitratbelastetes Wasser in die Kanalisation gelangt?

Das Abwasser, das in den Kanalisationen gesammelt wird, wird in der Regel in der nachfolgenden Kläranlage gereinigt. Wenn sie gut funktioniert, findet dadurch in den Bächen und Flüssen keine übermäßige Belastung mehr statt.

Wo sehen Sie die Ursachen? Sind es die Kleingärtner selbst, die ihre Parzellen möglicherweise überdüngen? Oder ist der schwarze Peter in der Landwirtschaft zu suchen, Stichwort Biogasanlagen, Tiermastbetriebe, Düngeverordnung beziehungsweise deren Einhaltung?

Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steigt an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel sind, die auf den Feldern ausgebracht werden. Gerade im letzten Jahrzehnt nahm neben der Zahl der Neugenehmigungen für Massentierhaltungen die Zahl der Biogasanlagen rapide zu.

Wir fordern daher seit Langem eine Änderung der Düngerverordnung zum Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer. Selbst die EU-Kommission droht bereits mit Sanktionen, wenn die längst überfällige Novellierung der Düngeverordnung nicht rasch so umgesetzt wird, dass die Vorgaben der europäischen Nitratrichtlinie zum Schutze des Grundwassers und der Oberflächengewässer in der Zukunft eingehalten werden können.