Kogel:

„Wie viel verdient ein Fußballer?“

Daniel Bittner macht den „Schleifer“. Der Torhüter der Regionalliga-mannschaft der TSG Neustrelitz scheint das zu genießen. Die Zehntklässler der ...

Rico Morack (rechts), der Kapitän der TSG-Neustrelitz-Fußballer, und Torwart Daniel Bittner „spielen“ Trainer bei ihrem Besuch in der Regionalen Schule Rechlin.

Daniel Bittner macht den „Schleifer“. Der Torhüter der Regionalliga-mannschaft der TSG Neustrelitz scheint das zu genießen. Die Zehntklässler der Regionalen Schule in Rechlin gucken schon finster. Erst „scheucht“ der junge Torwart die Jungs in der Halle hin und her, dann heißt es Umfallen in den Liegestütz und zu schlechter Letzt müssen sie noch Situps vorzeigen. 20 Stück – und alle sollen laut mitgezählt werden. „Na, ja“, grinst Hilfs-Trainer Bittner, „ich habe aber keinen richtigen gesehen“. Die Jungs sind schon zu schwach zum Protestieren.
Fußballer, Trainer und der Sprecher der TSG Neustrelitz sind gestern nach Rechlin gekommen, um sich während einer Schüler-Pressekonferenz den Fragen der Jugendlichen zu stellen und danach, als Höhepunkt, eine Trainingseinheit anzuleiten. Neben Torwart Bittner sind Kapitän Marco Morack, Trainer Rastislav Hodul, dessen Assistent Marco Weißhaupt und Pressesprecher Stefan Neubauer mit an Bord. Die Klassenlehrerin der Schüler, Christiane Krugmann, will eine gute Gastgeberin sein und bietet neben Kaffee den selbst gebackenen Kuchen an. Lecker sieht der aus, mit Obst und ganz viel Sahne. Jetzt guckt Trainer Hodul finster: Kaffee ja, Torte nein. „Die Mannschaft bestreitet am Sonnabend das siebente Spiel in 16 Tagen. Absolute Fitness ist da gefragt. Und dazu zählt auch die gesunde Ernährung.“
So hat sich die allererste Frage der Rechliner Schüler auch schon fast erübrigt: „Rauchen und trinken Ihre Fußballer“, wird der Trainer gefragt. Nicht, dass er das wüsste, antwortet Hodul. Und wenn er jemanden dabei erwische, würde es eine satte Geldstrafe hageln. „Der Fußball ist der Beruf der Jungs und den müssen sie ernst nehmen. Tabak und Alkohol passen nicht dazu.“ Die nächste Frage ist noch pikanter: Was verdient ein Fußballer bei der TSG Neustrelitz? Stefan Neubauer antwortet für alle. Die Jungs könnten gut davon leben, heißt es, niemand müsse am Hungertuch nagen. Die Lehrerin wäre keine Lehrerin, wenn sich nicht nach der Ausbildung der Fußballer erkundigen würde. „Denn“, fragt Christiane Krugmann, „schließlich gibt es doch auch ein Leben nach dem Fußball.“ Die Sportler beruhigen sie. Alle hätten eine Ausbildung, würde gerade darin stecken oder sind an einer Uni eingeschrieben. Aber grundsätzlich habe sie recht, heißt es. Marco Weishaupt, der Co-Trainer und früher als Profi in Freiburg, beim HSV und bei Hansa, weiß von vielen Ex-Kollegen, die nach der Karriere in ein tiefes Loch gefallen sind.
Davon ist man sportlich bei der TSG meilenweit entfernt. Platz 6 als Aufsteiger in der Regionalliga ist mehr, als alle zum Saisonstart zu hoffen wagten. „Immerhin“, sagt Sprecher Neubauer, „nach dem FC Hansa sind wir die Nummer zwei im Land.“
Genug geredet. Jetzt geht es in die Halle. Torwart Bittner macht den Jungs Beine, dann zeigen die Neustrelitzer, was sie können. Aber mit angezogener Bremse. Denn am Sonnabend geht es zum schweren Auswärtsspiel nach Magdeburg.