Seit 5. Dezember verschwunden:

Wo ist Gerda Wiese? Die Spur ist kalt

Es ist ruhig geworden - in Priborn. Im Fall der verschwundenen Gerda Wiese. Im Dezember stand das Dorf im Süden der Müritzregion noch im Fokus von Öffentlichkeit und Polizei. Drei Wochen lang durchkämmten Hundertschaften von Einsatzkräften die umliegenden Wälder. Ohne Ergebnis. Die 67-Jährige blieb verschwunden. Bis heute. „Ein rätselhafter Fall“, sagen erfahrene Ermittlungsbeamte.

Große Lagebesprechung im kleinen Priborn: Polizeitaucher und Kripobeamte stimmten sich im Dezember über die weiteren Suchmaßnahmen ab. Heute, zwei Monate später, sind die offensichtlichen Polizeiaktionen abgeschlossen.
Udo Roll Große Lagebesprechung im kleinen Priborn: Polizeitaucher und Kripobeamte stimmten sich im Dezember über die weiteren Suchmaßnahmen ab. Heute, zwei Monate später, sind die offensichtlichen Polizeiaktionen abgeschlossen.

Die Experten greifen nach jedem Strohhalm – „auch wenn die offensichtliche Suche in und um Priborn abgeschlossen ist, ist der Fall noch lange nicht zu den Akten gelegt“, macht Carolin Radloff, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, deutlich. Heißt konkret: „Wir prüfen Querverbindungen im Umfeld der Vermissten, prüfen Handys und Computer ab, versuchen Zusammenhänge herzustellen und analysieren Hinweise.“ Von Letzteren gibt es allerdings nicht viele mehr, die abgearbeitet werden müssten. Die Hoffnung, durch die Ausstrahlung des Vermisstenfalls in der TV-Sendung „Kripo live“ neue Anhaltspunkte zu finden, haben sich zerschlagen. Am 31. Januar lief der Fall überregional im Fernsehen – aber, räumt Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler aus Neubrandenburg ein: „Es gibt derzeit keine heiße Spur.“

Und die von der Tochter der seit dem 5. Dezember vermissten Gerda Wiese ins Spiel gebrachte Theorie von der Entführung? Jene vermeintliche Entführung, die in „Kripo live“ explizit nachgestellt worden war? Die Spekulationen, die Rentnerin aus Priborn sei in einen Wagen gestiegen beziehungsweise gezerrt worden, weisen Polizei und Staatsanwaltschaft nachdrücklich ins Reich der Fabeln. Carolin Radloff und Gerd Zeisler übereinstimmend: „Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Entführung Gerda Wieses.“ Und warum läuft der „Entführungsfall Gerda Wiese“ dann im Fernsehen? Gab es da keine Rückkopplung zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Fernsehsender? Keine Absprachen? Offenbar nicht – Gerd Zeisler: „Das mit der nachgestellten Entführungsszene war eine redaktionelle Entscheidung von ‚Kripo live‘.“ 

Derweil geht das Hoffen und Bangen in Priborn, bei Nachbarn und Angehörigen weiter. Für Letztgenannte hatte Gerda Wiese am 5. Dezember noch Plätzchen gebacken, eine Ente aufgetaut. Für einen schönen zweiten Adventssonntag im Kreise der Lieben. Doch dazu kam es nicht mehr.

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