Broschüren werden wieder eingesammelt:

Wohin denn jetzt mit den verflixten Adressen?

Die Haftpflicht der Stadt prüft jetzt, ob das umstrittene Warener Adressbuch neu gedruckt oder geändert wird. Offen bleibt, ob Bürger im Nachhinein noch ihre Adressen entfernen lassen können. Andere raten, dieses Buch ganz einzudampfen.

 Nach der peinlichen Daten-Panne mit dem ohnehin umstrittenen Adressbuch Warens bemüht sich die Stadt nun, alle bereits in Umlauf gelangten Broschüren wieder einzusammeln. Wie Pressesprecherin Liane Klischewsky auf Anfrage mitteilte, seien sie aus Institutionen, an die die fehlerhaften Bücher verteilt worden waren, wieder eingezogen und ein Auslieferungsstopp verhängt worden. „An die bereits verkauften Bücher kommen wir natürlich nicht heran“, schränkte die Pressesprecherin ein. Noch habe die Verwaltung nicht entschieden, ob das Adressbuch noch einmal gedruckt oder eigenhändig geändert werde. Zuvor werden alle Daten jetzt noch mal genau auf ein Sperrvermerk überprüft. Ob Bürger, die in einer Neuauflage nicht mehr erscheinen möchten, im Nachhinein ein Veto einlegen können, sei auch noch nicht entschieden. Die Anzeigenkunden hätten allerdings ein Recht darauf erworben, publiziert zu werden. Das weitere Verfahren überprüfe jetzt die Haftpflichtversicherung, die für den Fehler der Stadt aufkommt.

Zur Erinnerung: In der Broschüre waren Adressen von Bürgern veröffentlicht worden, die aus Sicherheitsgründen nicht hätten öffentlich erscheinen dürfen.

Unterdessen hat die Veröffentlichung von Adressen sämtlicher Warener ab 18 Jahren, die von ihrem Widerrufsrecht meist aus Unkenntnis nicht Gebrauch gemacht hatten, für Wirbel gesorgt. Stefan Dahlmann von müritz.buch etwa meint: „Als Buchhändler habe ich gerne zugestimmt, das Adressbuch unentgeltlich, also ohne Handelsspanne zu vertreiben, weil ich glaubte, damit der Stadt nützen zu können. Bei Betrachtung des Buches musste ich feststellen, dass es mit der heißen Nadel genäht ist. Hier wurde Datenmaterial ohne jede Aufbereitung verarbeitet, eine redaktionelle Bearbeitung ist nicht zu erkennen.“ Dieser Eindruck habe sich verstärkt beim ,Vortrag‘ des Verlagsvetreters, der in keiner Weise Kenntnis vom Inhalt zu haben schien. „Das alles ist sicher nicht die Schuld der Stadt, die ja nicht ahnen konnte, was sie erwartet“, so Dahlmann. Er rät, das Buch nicht zu korrigieren, sondern zu vergessen, denn der einzige, dem es nützt, sei der Verlag selbst. Und der Warener Werbefachmann Thomas Engels denkt: „Die Stadt sollte die Adressen der Bürger grundsätzlich nicht vermarkten. Es bringt ihr auch nichts, konzeptionslos irgendwelche Verlage mit der Vermarktung innerstädtischer Themen zu unterstützen, deren Ziel nicht das Image der Stadt, sondern der eigene finanzielle Erfolg ist.“

 

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